SZ-Kolumne "Bester Dinge":Lang lebe König Hautausschlag!

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Zweideutiger Treueeid: Rawiri Waiti, Abgeordneter der Māori-Partei, im neuseeländischen Parlament. (Foto: Mark Mitchell/AP)

Beim Treueeid auf Charles III. im neuseeländischen Parlament verwenden Māori-Abgeordnete einen doppeldeutigen Namen für den Monarchen.

Von Martin Zips

Der britische Fernsehsender Gold hat gerade wieder den "Christmas Cracker Joke" gekürt. Der Christmas Cracker Joke ist eine sehr englische Angelegenheit. Menschen dürfen Witze einreichen, welche sowohl mit Weihnachten als auch mit irgendwelchen aktuellen britischen Themen zu tun haben. Aber, ehrlich gesagt, als Festland-Europäer kapiert man diese Witze oft nicht - und muss erst einmal nachschlagen. So auch beim diesjährigen Gewinner. Der Witz lautet: "Did you hear about the Christmas cake on display in the British Museum? It was Stollen".

Ein Stollen als Ausstellungsobjekt im British Museum? Was bitte soll da witzig sein? Die Lösung: "Stollen" spielt auch auf den deutschen Direktor des Museums an, der im August nach einer Diebstahlserie zurücktreten musste. Und klar, diese Deutschen, ihre Blitzkriege, ihre Panzer, ihre Stollen - als Brite kennt man's ja.

Noch etwas mussten wir jetzt nachschlagen. Im neuseeländischen Parlament haben gerade Abgeordnete der Māori-Partei beim traditionellen Treueeid auf den britischen König statt des üblichen "Kīngi Tiāre" den Ausdruck "Kingi Harehare" verwendet. "Kīngi Harehare" aber, so steht es im Māori Dictionary, meint eher nicht "König Charles", sondern "König Hautausschlag" - und das wäre dann schon eine Frechheit. Die Māori sagen: Das Wort kann Hautausschlag bedeuten, muss aber nicht. Den Eid sehen allerdings viele als Symbol des Kolonialismus.

Und so bleibt am Ende vor allem eines: Die Freude darüber, dass der Wortwitz überhaupt noch lebt! Im neuseeländischen Parlament ebenso wie beim "Christmas Cracker Joke" im Land von König Hautausschlag. Und wie sagt Oliver Hardy in einem frühen "Dick und Doof"-Tonfilm zu seinem Sketch-Partner Stan Laurel - und zwar auf Deutsch? "Da hast du jo wieder schön wos angerichtet..." Das, mit Verlaub, klingt deutlich besser als das englische Original: "Well here's another nice mess you've gotten me into".

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