Süddeutsche Zeitung

Neun Monate nach Atomkatastrophe in Fukushima:Militär beginnt mit Dekontaminierung

In vier Orten der Sperrzone rund um das havarierte Kraftwerk Fukushima-Daiichi sollen japanische Soldaten in den kommenden Wochen Häuser von der gefährlichen Strahlung befreien. Die Gebäude sollen als Zentralen für die große Dekontaminierung dienen, die im Januar beginnen soll.

Neun Monate nach der Katastrophe von Fukushima-1 hat das japanische Militär mit der Dekontaminierung in der 20-Kilometer-Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk begonnen. Etwa 900 Soldaten der Selbstverteidigungsstreitkräfte sollen in vier Orten in der Provinz Fukushima öffentliche Gebäude von der gefährlichen Strahlung befreien. Die Gebäude in den Ortschaften Namie, Naraha, Tomioka und Iitate sollen künftig als Stützpunkte für die großflächige Dekontaminierung verstrahlter Gebiete dienen. Damit will die Regierung im neuen Jahr beginnen. Der erste Einsatz der Streitkräfte ist auf zwei Wochen angelegt.

Die Regierung hatte gut einen Monat nach Beginn der Atomkatastrophe in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März eine Sperrzone rund um das AKW Fukushima-Daiichi verhängt.

Dort versuchen die Arbeiter indes noch immer, die beschädigten Reaktoren endlich unter Kontrolle zu bringen, immer wieder haben sie jedoch mit Rückschlägen zu kämpfen. So flossen am Wochenende aus einer Anlage zur Entsalzung verstrahlten Meerwassers zur Reaktorkühlung etwa 150 Liter strontiumhaltiges Wasser in den Pazifik. Das teilte der Betreiberkonzern Tepco mit.

Die Menge radioaktiver Substanzen entspreche 26 Milliarden Becquerel. Das sind zwölf Prozent der jährlichen Emissionsrichtwerte für das AKW in Zeiten eines normalen Betriebs. Die Belastung in dem herausgesickerten Wasser sei also "vernachlässigbar", wurde Tepco zitiert. Zwar sei das Wasser zuvor von radioaktivem Cäsium gereinigt worden, hieß es. Die Anlage sei jedoch nicht in der Lage, Strontium aus dem Wasser zu entfernen.

Strontium kann zu Knochenkrebs und Leukämie führen. Bereits im Frühjahr war hochgradig verseuchtes Wasser in den Pazifischen Ozean geflossen. Im April ließ Tepco zudem absichtlich schwach strahlendes Wasser ins Meer ab, um Platz für stark belastetes Wasser zu schaffen. Hinzu kommt Radioaktivität von Partikeln, die mit dem Regenwasser in den Ozean gespült wurden.

Anfangs war die Wassermenge in dem Gebäude zur Entsalzung von verstrahltem Meerwasser auf 45.000 Liter geschätzt worden, wovon nach ersten Berichten etwa 300 Liter durch einen Betonriss herausgesickert seien. Neue Untersuchungen ergaben jedoch, dass sich nur ein Drittel der zunächst angenommenen Wassermenge darin befanden.

Die Wasseraufbereitungsanlage ist notwendig, um Wasser zur Kühlung der beschädigten Reaktoren 1 bis 3 zur Verfügung zu haben. Seit dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März ist die Kühlfunktion in den Reaktoren ausgefallen. Daher wird weiter Wasser in die Reaktoren gepumpt. Dieses wird danach in der Reinigungsanlage dekontaminiert und dann erneut zur Kühlung genutzt.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1228545
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
sueddeutsche.de/dpa/leja/infu
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.