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Neues Tierschutzgesetz:Das Verhältnis bleibt absurd

Zucht zur Rettung aussterbender Feldhamster

Sollte auf dem Merkblatt stehen: Hamster sind nachtaktiv.

(Foto: Rolf Haid/dpa)

Es sind kleine Erfolge; angenehm oder auch nur erträglich machen sie das Leben vieler Nutztiere noch lange nicht. Die Qualen, die ein Schwein durchleidet, bevor es Erlösung als Billigschnitzel findet, sind für die wenigsten ein Grund, anders einzukaufen oder weniger Fleisch zu essen. Das ginge den meisten denn doch zu weit, man will sich ja, bei aller Tierliebe, nicht bevormunden lassen. Und so bleibt das Verhältnis von Mensch und Tier absurd.

Seit Jahrtausenden züchtet, hält und tötet der Mensch Tiere. Man kann dafür Begründungen finden: weil sein Nutzen den Schaden niederer Lebewesen aufwiege, heißt es mitunter. Oder weil er intelligent und vernünftig sei, und deshalb sowieso Chef auf Erden. Mag alles sein. Wie hierzulande ohne Not mit Tieren umgegangen wird - das kann man rechtfertigen wie man will: Richtig ist es nicht.

Man muss Tiere nicht idealisieren und schon gar nicht vermenschlichen; aber dass sie Leid empfinden und nach Wohlbefinden streben, ist offensichtlich. Also sollte man ihnen Ersteres nicht unnötig zufügen und Letzteres ermöglichen. Haustiere sind vom Menschen abhängig, sei es durch die Gefangenschaft oder durch die Züchtung. Das bringt eine besondere Verantwortung mit sich, der beileibe nicht alle Halter gerecht werden, nicht daheim, nicht im Zoo, nicht in der Landwirtschaft.

Zwar heißt es im Tierschutzgesetz, "ohne vernünftigen Grund" dürfe Tieren kein Leid zugefügt werden, und sie müssten artgerecht gehalten werden. Aber als vernünftige Gründe gelten offenbar auch Desinteresse oder der Wunsch nach obszön niedrigen Lebensmittelpreisen; und was die Haltung angeht, bleibt mancher Kompromiss erlaubt. Daheim wird viel toleriert: Gesellige Tiere sollten nicht allein gehalten werden, aber das ist eine Empfehlung; groß kontrolliert oder aufgeklärt wird nicht. Und Bauern dürfen weiter Kälber ohne Betäubung enthornen. Oder Ferkeln die Ringelschwänze kürzen, damit sie einander später nicht beißen, wenn sie in engen, öden Ställen aggressiv werden. Man könnte indes auch die Haltung ans Tier anpassen statt andersherum.

Damit das Staatsziel Tierschutz, das seit 2002 im Grundgesetz steht, sich nicht liest wie ein matter Witz, sollte sich da etwas ändern; mit Bedienungsanleitungen für Hamster ist es nicht getan. Es sagt einiges über eine Gesellschaft aus, wie sie mit den Sprach- und Hilflosen umgeht - dazu gehören eben auch Tiere. Etwas Respekt vor Lebewesen stünde einem reichen Land gut an. Echtes Mitleid ebenfalls.

© SZ vom 01.08.2014/vs
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