Neues Tierschutzgesetz Leiden wie ein Schwein

Die Qualen, die ein Schwein durchleidet, sind für die wenigsten ein Grund, weniger Fleisch zu essen.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)

Trotz neuer Regeln bleibt das Verhältnis von Mensch und Tier absurd. Mit Beipackzetteln für Haustiere ist es nun mal nicht getan. Dabei stünde Deutschland etwas mehr Respekt vor Lebewesen gut zu Gesicht.

Kommentar von Marlene Weiß

Vielen Menschen ist der Hund näher als ihr Nachbar, der Wellensittich ein enger Freund. Von Haustieren wird Verständnis erwartet, Treue, manchmal auch Schutz. Im Gegenzug erhalten sie Futter, außerdem oft: Liebe. Die aber kann für Tiere von zweifelhaftem Wert sein. Ganz sicher ist sie keine Garantie dafür, dass das Tier auch nur annähernd so leben darf, wie es seiner Art entspricht - mit Platz, Bewegung und Beschäftigung; und nicht einfach so, wie es seinem Halter gerade in den Kram passt.

Die neuen Regelungen im Tierschutzgesetz, die an diesem Freitag in Kraft treten, werden daran nicht viel ändern. Es sind Kleinigkeiten: Welpenhändler und Hundetrainer sollen besser kontrolliert werden. Und wer Meerschweinchen oder Hamster, Katzen, Schildkröten oder andere Tiere verkauft, die sich Menschen als Gefährten, zum Zeitvertreib oder den Kindern zuliebe ins Haus holen, der muss dem neuen Halter ein Merkblatt mitgeben. Darin soll stehen, was die Kreatur benötigt, um sich halbwegs wohlzufühlen.

Das dürfte spannende Lektüre sein. Ob darin wirklich erwähnt wird, dass Hamster Höhlen bauen und Kaninchen hoppeln wollen, dass also die winzigen Käfige, die es in vielen Läden zu den Tieren zu kaufen gibt, vollkommen ungeeignet sind? Dass Meerschweinchen Gesellschaft von Artgenossen brauchen und Hunde ungern den ganzen Tag allein sind? Schön, dass Tiere nicht mehr als Gebrauchsgegenstände gelten - aber würde man ihre Bedürfnisse ernst nehmen, müsste man bei vielen Haltungsformen eigentlich sagen: lieber nicht. So wie auch die so geliebten Delfine nicht in lächerlich kleine Wasserbecken im Zoo gehören.

Wenn es ernsthaft um das Wohl von Tieren ginge, müsste man auch in der Landwirtschaft viel mehr tun. Da heißt es zwar reflexhaft "viel zu teuer", aber manche Grausamkeit lässt sich dann doch beenden: Auf das schmerzhafte Schnabelkürzen bei Hennen sollen die meisten Halter von 2017 an verzichten, ganze vier Cent teurer werden Eier dadurch. Von 2019 an dürfen Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Und Nordrhein-Westfalen hat verboten, männliche Legehuhn-Küken einfach zu vergasen, weil sie weder Eier legen können noch schnell Fleisch ansetzen.