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Neues Tier im Berliner Zoo:Es ist ein Eisbär

Auf Knut folgt Wolodja: Der aus Moskau eingeflogene Eisbär tritt am Freitag zum ersten Mal im Tierpark Friedrichsfelde in Berlin vor Publikum auf. Aber Wolodja hat es nicht leicht. So knuddelig wie sein prominenter Vorgänger ist er eben nicht. Noch schlimmer: Es kursieren Gerüchte um Inzucht.

Seit zweieinhalb Jahren ist er jetzt tot, tragisch dahingeschieden an einer Virusinfektion: Knut, der prominente Eisbär aus dem Berliner Zoo. Monatelang belagerten damals Kinder das Eisbärengehege, das Fernsehen berichtete

Nun hat Berlin einen neuen Knut, 200 Kilo schwer, 1,90 Meter groß, fast zwei Jahre alt. Er hört auf den Namen Wolodja. Allein: Wolodja ist kein richtiger Knut, er ist nicht so klein, nicht so knuddelig. Aber dazu später. Am Freitag hat sich Wolodja erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, im Tierpark Friedrichsfelde.

Etwa 100 Besucher, Fotografen und Kamerateams waren dabei, als das Anfang August aus dem Moskauer Zoo eingeflogene Tier im Eisbären-Gehege erschien. Zunächst etwas zurückhaltend, begann er etwas später zu spielen und im Wasser zu planschen. Zur Begeisterung von Presse und Eisbär-Fans sprang er schließlich sogar kopfüber ins Wasser.

Wolodja soll mit der bereits in Berlin lebenden Bärin Tonja Nachwuchs zeugen. Allzu schnell ist mit einem kleinen Eisbärenbaby aber nicht zu rechnen: Wenn Wolodja und Tonja sich verstehen, ist mit Nachwuchs frühstens 2016 zu rechnen - einen neuen Knut wird es wohl aber dann auch nicht geben. Denn Tonja soll ihr Jungtier selbst aufziehen. Erst nach einem halben Jahr könnte es der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Inzestverdacht - und nicht mal knuddelig

Florian Sicks, der Kurator für Säugetiere im Tierpark, wies unterdessen Bedenken von Tierschützern zurück, der neue Bär könnte der Bruder von Tonja sein. Tonja sei zwar im selben Moskauer Zoo geboren, habe jedoch andere Eltern als Wolodja. Angesichts der Größe des Eisbären sagte Sicks: "Der Knuddelfaktor fehlt hier völlig." Knut sei nur deshalb so berühmt gewesen, weil die Berliner ihn von klein auf hätten mitverfolgen können, meinte Kurator Sicks. Das sei aber nur bei einer Aufzucht von Hand möglich.

Zusätzlich gibt es Vorwürfe von Tierschutzorganisationen: Frank Albrecht, Sprecher der Tierrechtsorganisation Endzoo, behauptet, die Anlage sei zu klein, ein Außengehege für vier Bären sei zu wenig. "Das verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Wir prüfen noch rechtliche Schritte." Der Tierschützer will auch Verhaltensstörungen bei Troll, 26, und Aika, 32, beobachtet haben - den beiden Eisbären, die schon lange in Berlin leben.

© Süddeutsche.de/dpa/fzg/olkl
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