Nein zur Inselvergrößerung Helgoland bleibt, wie es ist

Nein zu einem 100-Millionen-Euro-Projekt: In einem Bürgerentscheid hat die Mehrheit der Bewohner Helgolands sich dagegen ausgesprochen, die durch eine Sturmflut vor fast 300 Jahren auseinandergerissene Insel mit einer Landaufschüttung wieder zu vereinen.

Seit der Sturmflut von 1720 sind die Helgoländer Hauptinsel und ihre Badedüne getrennt. Eine Initiative, die alte Landverbindung durch Sandaufspülung wieder herzustellen, hat nun keine Mehrheit gefunden: Die Befürworter einer Vergrößerung der Nordsee-Insel sind bei einer Abstimmung am Sonntag gescheitert.

Die Luftaufnahme zeigt die Insel Helgoland (rechts) und die vorgelagerte "Badedühne".

(Foto: dapd)

In einem Bürgerentscheid sprachen sich 583 Inselbewohner (54,74 Prozent) gegen eine Wiedervereinigung der ein Quadratkilometer großen "Hauptinsel" mit der 0,7 Quadratkilometer großen "Badedüne" aus. 482 Helgoländer (45,26 Prozent) stimmten dafür. Von den 1312 Wahlberechtigten hatten 1068 an der Abstimmung teilgenommen. Die Beteiligung erreichte 81,4 Prozent. Drei Stimmen waren ungültig.

Als Reaktion auf den beständig wachsenden Platzbedarf soll nun ein Plan entwickelt werden, wie neue Flächen durch Aufspülung direkt an der Hauptinsel entstehen können, hieß es. Eine Sturmflut hatte im Jahr 1720 die rund tausend Meter lange Landbrücke - den Woal - zwischen dem roten Buntsandsteinfelsen der Hauptinsel und dem vorgelagerten Kalkfelsen, dem Witte Kliff, auf dessen Resten die heutige Badedüne entstand, zerstört. Der Hamburger Bauunternehmer Arne Weber hatte bereits 2008 in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Hamburg und dem Alfred-Wegener-Institut einen Plan entwickelt, die nur wenige Meter tiefe Meeresstelle wieder mit Sand aufzufüllen.

Zu wenig Besucher

Umweltverbände sahen die Pläne kritisch. Eine Aufspülung wäre für die Natur eine große Beeinträchtigung geworden, sind sich Sprecher von BUND und NABU einig. Unter anderem sei die Düne wichtig für Seehunde und Kegelrobben: Sie ziehen dort ihren Nachwuchs auf.

Helgolands Bürgermeister Jörg Singer (parteilos) wollte mit dem 100-Millionen-Euro-Projekt Attraktivität und Lebensfähigkeit der Insel stärken. Trotz ihrer einmaligen Lage hat Deutschlands einzige Hochseeinsel große Probleme. Mindestens 2000 Menschen müssten auf Helgoland dauerhaft leben, damit die Insel als Gemeinde funktionieren könne, meint er. Doch die Zahl der Helgoländer ist auf unter 1300 gesunken, da immer mehr Insulaner dem Eiland dauerhaft den Rücken kehren - besonders junge Familien. "Es gibt nicht mehr genug Arbeit auf der Insel", erklärte Singer. Grund ist das Ausbleiben der Touristen - sie sind Helgolands wichtigste Einnahmequelle. Trotz zollfreiem Whisky und Tabak sowie einem vor kurzem modernisierten Meerwasserschwimmbad kommen sie immer seltener auf die Insel.

Einen Ausgleich biete auch die steigende Zahl der Übernachtungsgäste nicht, denn dafür sei Helgoland nicht gerüstet: Die Insel platze aus allen Nähten, sagte Bürgermeister Singer. Die kleinräumigen und architektonisch einfachen Gebäude, die meist in den 1950er Jahren auf der zerbombten Insel errichtet wurden, stehen unter Ensembleschutz. Um- oder Erweiterungsbauten beziehungsweise Modernisierungen sind daher nur schwer möglich. Über das Ergebnis des Bürgerentscheids will Bürgermeister Singer mit den Helgoländern am 6. Juli diskutieren.