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Nazi-Schiff "Admiral Graf Spee":Schlamm drüber

Immer wieder suchen Taucher im Wrack der Admiral Graf Spee nach Nazi-Reliquien. Nun unterbindet Uruguay den Handel mit diesen Souvenirs - und das Wrack soll unter Wasser bleiben.

Wieder sind sie hinabgetaucht zum berühmtesten Wrack der Nazi-Flotte, dabei war das Wetter am Rio de la Plata in dieser vorerst letzten Woche dieser Geschichte durchwachsen. Es wird Winter in Südamerika, und trotz der Sonne ist das braune Wasser eiskalt und oft bewegt. Vor allem in Montevideo, wo sich das mächtige Flussdelta zum Meer zu öffnen beginnt.

1939 versenkte die Besatzung der

Admiral Graf Spee

ihr Schiff selbst vor Montevideo. Uruguay verbietet nun die Bergung gesunkener Schiffe vor der Küste.

(Foto: Foto: AFP)

Doch Héctor Bado und sein Team hatten es eilig bei der Suche nach dem, was nach 70 Jahren von der Admiral Graf Spee geblieben ist. Sieben Seemeilen vor Uruguays Hauptstadt fahndeten sie zwischen Oberfläche und 14 Meter Tiefe vor allem nach den Wappen der Familie, nach dem das Panzerschiff benannt ist. In den trüben Fluten stießen die Froschmänner aber bloß auf den demolierten Bug, den 1960 obendrein ein Öltanker gerammt hatte. Das Holz der Zeichen könnte schon damals bei der Explosion verbrannt sein, vermutet Bado. Auf weitere Recherche am Ort muss er vorläufig verzichten.

Keine weiteren Expeditionen

Seit dem Wochenende gilt Regierungsdekret Nummer 306-006, das solche Expeditionen bis auf weiteres verbietet. Die Vorschrift betrifft sämtliche Schiffe, die im Hoheitsgebiet des kleinen südamerikanischen Landes versunken sind. Das sollen Hunderte sein, darunter uralte Galeonen der spanischen Eroberer. Allein Bados Team beschäftigt sich außer mit der Admiral Graf Spee mit zwei Havaristen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Doch nicht zuletzt geht es um dieses Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg, das seit bald 70 Jahren außer Schatzsuchern auch die Regierungen von Deutschland und Uruguay beschäftigt. Deshalb wurde bereits der geplante Verkauf von heiklen Fundstücken untersagt. Für Héctor Bado ist es auch diesmal "ein politisches Thema".

Jedenfalls steht nun mindestens eine Pause bevor in einem Drama, das Uruguay eher zufällig erfasste. Das Panzerschiff Admiral Graf Spee, 1934 in Wilhelmshaven vom Stapel gelassen, lief schon vor Kriegsbeginn 1939 aus seinem Heimathafen aus, um sich im südlichen Atlantik in Warteposition zu begeben. Mit 55.000 PS, 1150 Mann und schwerer Bewaffnung zog dieses Monstrum der Hitler-Marine in die Seeschlacht im Südatlantik, versenkte 12.000 Kilometer von der Heimat entfernt britische Frachter und schließlich sich selbst.

Nach einem Gefecht mit drei britischen Kreuzern suchte Kapitän Hans Langsdorff angesichts von Schäden und gegnerischer Übermacht Zuflucht im neutralen Hafen von Montevideo. Als die Frist der uruguayischen Gastgeber nach 72 Stunden auslief, ordnete er die Evakuierung und Selbstzerstörung an, um nicht in Feindeshand zu fallen. Am 17. Dezember 1939 wurden draußen in der Bucht die Sprengsätze gezündet, die Mannschaft ging vorher von Bord. "Für mich sind tausend junge Männer lebend mehr wert als tausend tote Helden", schrieb Langsdorff. Drei Tage später erschoss er sich in Buenos Aires.

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