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Naturkatastrophen:Die Bilanz von Sturm "Herwart"

Sturmtief 'Herwart' in Hamburg

Ein Pkw in einer überfluteten Straße in der Hafencity in Hamburg.

(Foto: dpa)
  • Sturmtief Herwart zog am Wochenende mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 125 Kilometern pro Stunde über den Norden und Osten Deutschlands.
  • Mindestens vier Menschen starben.
  • Der Fernverkehr wurde komplett eingestellt, auch am Montag gab es noch zahlreiche Verspätungen und Streckensperrungen.

Mindestens vier Tote, zahlreiche Schäden und ein Verkehrschaos: Sturmtief Herwart ist am Wochenende über den Norden Deutschlands gezogen. Drei Menschen ertranken im Meer, ein Jäger im Emsland kam ums Leben, weil sein Hochsitz einstürzte. Mit Windgeschwindigkeiten von bis 125 Kilometern pro Stunde zählt Herwart, laut Deutschem Wetterdienst, zu den stärksten Stürmen der vergangenen zehn Jahre - stärker als Xavier, der Anfang des Monats ebenfalls Zerstörung und Chaos im Norden verursacht hatte. Dennoch hat Herwart ersten Bilanzen zufolge weniger Schäden angerichtet. Das lag womöglich auch am vielen Laub, dass Anfang Oktober noch da war. Dadurch waren die Äste belastet, der durch den Regen aufgeweichte Boden tat ein Übriges, um Bäume zu entwurzeln, hieß es vom Deutschen Wetterdienst.

Damals hatte die Bahn den Zugverkehr im Norden ausgesetzt - zu viele Gleise waren blockiert. Und auch diesmal brauchten Bahnreisende viel Geduld. In sieben Bundesländern fuhren keine Fernzüge mehr und auch das Auto war nicht immer eine Alternative: viele Straßen waren gesperrt, zum Beispiel die Autobahn 8 in Oberbayern auf einer Strecke von etwa acht Kilometern. Auch am Montag mussten Zugreisende noch mit vielen Verspätungen und Sperrungen rechnen. Am Nachmittag gab die Bahn zumindest den Fernverkehr wieder vollständig frei, regional müssen noch einige Strecken repariert und freigeräumt werden. Eine Übersicht gibt es hier.

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Sturmflut in Hamburg, Ausnahmezustand in Berlin

Die verlorene Zeit können sich Reisende zwar nicht wiederholen, wohl aber ihr Geld. Wenn in einem Fall wie Herwart reihenweise Züge ersatzlos ausfallen, bekommen sie den Ticketpreis komplett erstattet. Und auch bei Verspätungen ist das Geld nicht ganz verloren: 25 Prozent Erstattung des Fahrpreises gibt es ab 60 Minuten und 50 Prozent ab 120 Minuten. Das Argument, dass ein Unwetter höhere Gewalt ist, gilt nicht. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden.

Wie auch bei Xavier musste die Feuerwehr in Berlin den Ausnahmezustand ausrufen, weil sie die zahlreichen Notrufe nicht mehr bedienen konnte. Bis Sonntagnachmittag zählten sie dort 500 Einsätze, bedingt durch Herwart. Bis in die Nacht hinein waren die Einsatzkräfte noch beschäftigt. Dennoch ist die Bilanz hier weniger gravierend: "Im Vergleich zum Sturm Xavier lag unser Einsatzvolumen diesmal nur bei einem Fünftel", sagte ein Feuerwehrsprecher. Zwei Menschen seien verletzt worden, aber nicht schwer.

In Hamburg trat die Elbe über die Ufer, die Elbchaussee entlang des Hafens und der Fischmarkt wurden überspült und teilweise gesperrt. Etwa 1000 Mal musste die Feuerwehr bis Sonntagmorgen ausrücken. Inzwischen ist der Pegel des Flusses wieder gesunken.

Auch an der Küste gab es zahlreiche Schäden. Sorgen bereitet ein Frachter, der wegen des Sturms vor der Nordseeinsel Langeoog auf Grund gelaufen ist. Das Schiff mit dem Namen "Glory Amsterdam" hat 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel an Bord. Sollte es leckschlagen, droht den Stränden der Insel und dem Watt eine Ölverschmutzung. Eigentlich sollte der Frachter am Montagabend befreit werden, doch die Wassertiefe war zu gering. Die Bergung könne noch bis zu drei Tage dauern, sagte Stefan Wenzel, Umweltminister von Niedersachsen. Er sprach von einer kritischen Situation.

Auf der Insel Wangerooge wurde durch den starken Sturm 80 Prozent des Strandes weggespült. Dirk Lindner, Bürgermeister der betroffenen Gemeinde, bezeichnete den Schaden als Riesenkatastrophe. Im Frühjahr soll der Strand wiederhergestellt werden.

Herwart zog über Deutschland weiter nach Osten. In Tschechien kamen mindestens drei Menschen ums Leben, in Polen mindestens zwei.

© SZ.de/dpa/afp/eca
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