Natur-Schauspiel:Alles Wissenswerte zur Sonnenfinsternis

Natur-Schauspiel: Je nach geographischer Lage schiebt sich der Mond zu einem größeren Teil vor die Sonne. Die Folge ist eine größere "Verfinsterung" (Zahlen: Deutscher Wetterdienst).

Je nach geographischer Lage schiebt sich der Mond zu einem größeren Teil vor die Sonne. Die Folge ist eine größere "Verfinsterung" (Zahlen: Deutscher Wetterdienst).

(Foto: SZ-Graphik)

Die partielle Sonnenfinsternis naht. Wo und wann sieht man das Naturschauspiel am besten? Wie schützt man die Augen? Und kann man eine geeignete Brille auch selber basteln?

Von Christopher Schrader und Manuel Stark

Warum ist die Sonnenfinsternis so besonders?

Haben Sie die schwarze Brille noch, die Sie sich 1999 für die totale Sonnenfinsternis angeschafft haben? An diesem Freitag schiebt sich der Mond vor die Sonne und verdunkelt den Himmel. In Deutschland ist die Sonnenfinsternis zwar nur partiell zu sehen. Eine ähnlich deutliche Sonnenfinsternis wird es hierzulande aber erst wieder 2026 geben. Die nächste totale Sonnenfinsternis, bei der der Mond die Sonne ganz verdeckt, steht in Deutschland sogar erst 2081 wieder an.

Mehr dazu, was bei einer Sonnenfinsternis genau passiert und warum Wissenschaftler diese für die Forschung nutzen, lesen Sie hier.

Wann und wo sieht man am besten?

Als erster Ort verdunkelt sich Freiburg im Breisgau um 9:26 Uhr; um 9.31 ist die Eklipse in München zu sehen. Um 10.30 Uhr ist die maximale Verschattung erreicht. Komplett hell wird es dann zuletzt in Stralsund um 12 Uhr mittags. Orte im Norden können mit einer 80-prozentigen Bedeckung rechnen, in München verdunkelt sich die Sonnenscheibe zu 68 Prozent (siehe Karte). Die Helligkeit geht sichtbar zurück, die Konturen werden härter, die Schatten bekommen eine unnatürliche Tönung, die manche als "bleifarben" bezeichnen, also eher metallisch-grau als schwarz.

Zu sehen ist das wegen des Wetters nur in der Mitte und dem Süden Deutschlands. Im Norden und Nordosten könnten laut Wetterdienst Wolken den Blick versperren, im Westen Hochnebel ihn behindern. Ein klarer und wolkenloser Himmel sei viel wichtiger als der Bedeckungsgrad, sagt Uwe Bachmann vom Deutschen Wetterdienst. Selbst ein Unterschied von acht Prozent sei in der Wahrnehmung der meisten Menschen nur marginal vorhanden. "Lieber 69 Prozent und wolkenfrei in Regensburg, als 81 Prozent in Wilhelmshaven bei bedecktem Himmel", empfiehlt Bachmann.

Wie gefährlich ist es für die Augen?

Einige Eltern überlegen nun, ihre Kinder am Freitag nicht in die Schule zu schicken, weil sie ihnen nicht genug Vernunft zutrauten, die Warnungen zu befolgen. Denn auch an den Orten mit Wolken sollte niemand versuchen, mit ungeschütztem Auge direkt in die teilweise verdunkelte Sonne zu schauen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt eindringlich vor bleibenden Schäden an der Netzhaut. Durch die Hornhaut und die Linse der Augen wird das einfallende Sonnenlicht so stark gebündelt, dass es zu Verbrennungen kommen kann, sagt Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands. Das Sehvermögen könne unwiderruflich beschädigt werden.

"Nur speziell für dieses Ereignis gefertigte Brillen schützen die Augen", sagt Eckert. Ersatzmaterialien wie Sonnenbrillen, die von mindestens einem Optiker irrtümlich verkauften 3D-Brillen - im bayerischen Weißenhorn etwa sind nach Polizeiangaben 40 Brillen über den Ladentisch gegangen, die für die Sonnenfinsternis ungeeignet sind -, rußgeschwärzte Glasscheiben, schwarze Filmstreifen, Bierflaschen, CDs oder Rettungsdecken sind laut BfS "nicht nur ungeeignet, sondern gefährlich".

Wo bekomme ich noch eine Schutzbrille?

Geeignete Brillen gibt es zum Beispiel bei Optikern. Wer sich jetzt noch eine der empfohlenen Schutzbrillen für Freitag kaufen will, könnte allerdings Glück brauchen. Fast überall sind sie ausverkauft. In vielen Teilen Deutschlands ist es schwierig, noch eine Brille zu ergattern, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Selbst Planetarien hätten kaum noch Brillen im Angebot. In der Sternwarte Hamburg-Bergedorf schwindet der Vorrat quasi minütlich, heißt es dort. Die Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin hat zwar noch Brillen nachbestellt, doch ob diese bis zum Freitag da sind, sei unklar, sagte eine Mitarbeiterin.

Im Internet hat nun ein schwunghafter Handel mit den Schutzbrillen begonnen. Die einfachen Pappgestelle mit Spezialfolie, im Laden für drei Euro zu haben, wurden am Donnerstag für Preise von 40 Euro und mehr online versteigert. Sogar für den Spitzenpreis von 329 Euro wurde eine Pappbrille angeboten. Offenbar haben die Hersteller den Run auf die Brillen unterschätzt .

Welche Alternativen es zur Schutzbrille gibt

Gibt es Alternativen?

Wer nicht so viel Geld ausgeben will: Mehrere indirekte Methoden sind möglich. Augenärzte empfehlen, die Sonnenfinsternis mit der Handykamera zu filmen und auf dem Display zu betrachten. Wer das Ereignis mit einer Kamera fotografieren möchte, sollte ebenfalls nur den Bildschirm verwenden. Ein Blick in den Sucher könne schwer wiegende Folgen für das Sehvermögen haben.

Wer gerne bastelt, kann sich schnell eine einfache Camera Obscura selbst bauen: Ein Nadelstich in ein Stück Alufolie, die von einem Papprahmen stabilisiert wird, reicht schon. So lässt sich die Sonnensichel auf ein weißes Stück Papier auf dem Boden projizieren. Auch dicht belaubte Bäume und Büsche können wegen des Camera-Obscura-Effekts Abbilder der angefressenen Sonnenscheibe auf das Pflaster werfen.

Mehr zum Basteln von Alternativen lesen Sie hier.

Fällt der Strom aus?

Die Sonnenfinsternis fordert auch die Stromnetzbetreiber - denn immense Schwankungen müssen ausgeglichen werden. Mit Beginn der Sonnenfinsternis fällt die Leistung der landesweiten Solaranlagen um mehr als zehn Gigawatt ab. Kurz nach ihrem Ende steigt der Niedrigwert dann binnen weniger Minuten um etwa 17 Gigawatt. Bei einer durchschnittlichen Leistung von 17,5 Gigawatt ein drastischer Wechsel. Kann das Stromnetz diese Schwankungen verkraften? Ja, sagt Thomas Gobmeier von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München. Netzbetreiber und Energieversorger haben sich seit langem auf das Ereignis vorbereitet und sehen sich nach eigenen Angaben für die erwarteten extremen Schwankungen bei der Netzbelastung gut gerüstet.

(Mit Material der dpa)

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