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Frankreich:Feuer in der Kathedrale von Nantes - Verdacht auf Brandstiftung

Brand in Kathedrale von Nantes ausgebrochen

Feuerwehrleute im Einsatz, um einen Brand in der Kathedrale von Nantes zu löschen.

(Foto: dpa)

Einem örtlichen Staatsanwalt zufolge sind an drei Stellen in der Kirche Brände ausgebrochen. Die Kriminalpolizei ermittelt. Die Flammen sind inzwischen eingedämmt, der Schaden begrenzt sich offenbar im wesentlichen auf die große Orgel.

In der Kathedrale von Nantes in Frankreich ist am Samstag ein Feuer ausgebrochen. Nachdem es am Samstagmorgen zunächst geheißen hatte, der Großbrand sei nicht unter Kontrolle, sagte der Leiter der örtlichen Feuerwehr, Laurent Ferlay, am Vormittag dann, die Flammen seien eingedämmt.

Der Schaden begrenze sich auf die große Orgel, teilte Ferlay mit. Diese scheine "völlig zerstört" zu sein. Die Plattform, auf der die Orgel stehe, sei instabil und drohe zusammenzubrechen. Das Dach sei nicht betroffen.

Aufgrund der Ausbreitung des Feuers steht der Verdacht der Brandstiftung im Raum. Der örtliche Staatsanwalt Pierre Sennès sagte im französischen Fernsehen, dass das Feuer an drei Stellen in der Kirche ausgebrochen sei. Eines im Bereich der großen Orgel, eines auf der rechten Seite und eines auf der linken Seite des Kirchenschiffs. "Das ist es kein Zufall, da wollte jemand ein Zeichen setzen", sagte er. Später unterstrich Sennès, dass er aufgrund der Ausbruchsstellen des Feuers mit "gesundem Menschenverstand" geschlussfolgert habe. Klarheit müssten Experten bringen.

Mehr als 100 Feuerwehrleute mit 45 Fahrzeugen waren im Einsatz, um das Feuer zu löschen. Auf einem Video der Feuerwehr war schwarzer Rauch zu sehen, der aus einem Fenster der Hauptfassade aufstieg. Hinter den Fenstern waren Flammen zu sehen. Die Einsatzkräfte waren schnell nach dem Ausbruch des Feuers um 7.43 Uhr informiert worden.

Die Polizei sperrte das Viertel rund um das Gotteshaus ab, auch um Schaulustige abzuhalten.

"Ich habe keine Worte um auszudrücken, was ich sehe"

Der französische Sender Fernsehsender LCI zitiert einen Augenzeugen, der sagte, er sei von dem Geräusch "sehr merkwürdiger Glockenklänge" geweckt worden. "Ich sagte zu mir selbst, dass da etwas falsch sein musste, denn das war nicht im Geringsten das Geräusch, was normalerweise aus der Kirche kommt." Feuerwehrsirenen waren in der Stadt zu hören.

Der Sender zitiert zudem François Renaud, den Chef der örtlichen Diözese. "Ich habe keine Worte um auszudrücken, was ich sehe", sagte er. Renaud ging - wie auch die Feuerwehr - nicht davon aus, dass das Gebäude in seiner Substanz beschädigt wurde. "Es ist sehr traurig für diese Kathedrale, für die Kirche von Nantes, für die Stadt. Jeder ist mit dieser Kathedrale verbunden."

Die Kathedrale von Nantes ist den Aposteln Peter und Paul geweiht und stammt aus der französischen Spätgotik. Der Bau begann im Jahr 1434, fertiggestellt wurde das Gebäude erst 1893. Eine Besonderheit ist das 37,5 Meter hohe Gewölbe, das zu den höchsten in Frankreichs Kirchen gehört und auch das von Notre-Dame in Paris übertrifft. 1972 wurde die Kathedrale von Nantes schon einmal durch ein schweres Feuer stark beschädigt, vor allem im Bereich des Daches. Erst 13 Jahre später konnten dort wieder Gottesdienste abgehalten werden.

Die Bilder des Brandes rufen unweigerlich Erinnerungen an das Feuer in Notre-Dame in Paris hervor. Das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt wurde vor einem Jahr durch einen Brand stark beschädigt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilte vor Kurzem mit, dass die Kirche nicht modern umgestaltet, sondern wieder in den Originalzustand versetzt werden soll.

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin meldete sich per Twitter zu Wort. "Meine Gedanken sind bei den Menschen in Nantes", schrieb er. Er teile ihre Gefühle, schrieb er weiter, und kündigte an, später nach Nantes zu reisen. Frankreichs Kulturministerin Roselyne Bachelot schrieb ebenfalls bei Twitter: "Dieses Juwel unseres Erbes ist erneut bedroht. Ich werde heute Nachmittag in Nantes sein." Ihr Ministerium sei bereits vollständig mobilisiert. Premierminister Jean Castex hat ebenfalls sein Kommen angekündigt.

© SZ.de/dpa/KNA/AP/jael/sekr

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Text: Christa Lesté-Lasserre, Infografik: Chris Bickel

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