SZ-Kolumne "Bester Dinge":Er macht sich aus dem Staub

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Satelliten-Aufnahmen zeigen den Swakop im Jahr 2011: Da hatte er das letzte Mal den Atlantik erreicht. (Foto: imago/StockTrek Images)

In Namibia bejubeln die Menschen den Swakop-Fluss: Er hat den Ozean erreicht. Das letzte Mal hatte er das vor elf Jahren geschafft.

Von Moritz Geier

Von einem Fluss, diese Erfahrung hat Hermann Hesse seinen Siddhartha machen lassen, kann man vor allem das Zuhören lernen - "das Lauschen mit stillem Herzen, mit wartender, geöffneter Seele, ohne Leidenschaft, ohne Wunsch, ohne Urteil, ohne Meinung". Lauschen kann man freilich nur, wenn das Wasser auch gurgelt, rauscht und plätschert, weswegen der hier thematisierte Strom eher zu jenen Flüssen zählen dürfte, die Siddhartha-Jünger vornehmlich meiden.

Der Swakop in Namibia ist 460 Kilometer lang und mündet bei Swakopmund in den Südatlantik - der Theorie nach. Denn blöderweise muss der Fluss vorher die Namib-Wüste durchqueren, und dann fließt zu allem Überfluss auch noch zu viel Wasser ab, weil die Landwirtschaft schützende Vegetation verdrängt. Seit April 2011 hat der Swakop daher den Ozean nicht mehr erreicht.

Dank starker Regenfälle war es am Mittwoch aber mal wieder so weit: Wasser und Wasser vereinten sich. Der Moment, wissen lokale Medien zu berichten, werde vor Ort "mit Freudenschreien und Champagner" gefeiert. Mit wartender, geöffneter Seele, ohne Urteil, ohne Meinung, aber mit viel Leidenschaft standen die Menschen also am Fluss und fotografierten, filmten, jubelten. Aufnahmen zeigen eine braune Suppe, die sich in das blaue Meer schiebt, aber auch das ist keine schlechte Nachricht: Das Wort Swakop stammt aus der Sprache der Nama und Darama, setzt sich zusammen aus Tsoa und xaub. Tsoa heißt so viel wie Exkrementenöffnung und xaub ist, nun ja, das, was rauskommt. Der Swakop bestätigt also rein farblich mal wieder jene Menschen, die ihm vor langer Zeit seinen Namen gaben.

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