Namensvetter von Felipe VI.:Inzucht und Dekadenz

Philipp IV. (1605-1665)

Sein Sohn Philipp IV. ist der erste, aber keineswegs der letzte Staatenlenker, von dem überliefert ist, dass er sich zunächst der Kunstmalerei widmete, bevor er sich an Großmachtpolitik versuchte. Beides ist ihm nicht so recht gelungen. Immerhin hat er verstanden, dass sein künstlerisches Talent begrenzt ist, und einen wahren Meister an den Hof geholt: Diego Velázquez. Und diesem hat er nicht hineingeredet. So durfte Velázquez realistische Bilder von der Königsfamilie schaffen, die heute für Vererbungsforscher und Psychologen hervorragendes Anschauungsmaterial für Dekadenz infolge Inzucht abgeben.

Als Politiker hat er sich kräftig auf Seiten seiner Verwandten, der deutschen Kaiser, in den Dreißigjährigen Krieg eingemischt. Herausgekommen ist dabei für Madrid aber nur ein Staatsbankrott, außerdem der Verlust der Spanischen Niederlande und der Gebiete nördlich der Pyrenäen. Überdies nutzten die Portugiesen die Lage, um sich endgültig von Madrid zu verabschieden. Schließlich nahmen ihm die Engländer Jamaika ab und versenkten seine Silberflotte, was zum nächsten Staatsbankrott führte.

Philipp V. (1661-1746)

Der Sohn Philipps IV., Karl II., war infolge der Habsburger Inzucht schon so debil, dass weder seine erste, noch seine zweite Frau, mit denen er ebenfalls eng verwandt war, Kinder zur Welt brachten. Die Spanier gaben ihm deshalb den Beinamen "der Verhexte". So starben die spanischen Habsburger nach vier Philipps in der fünften Generation aus, der Spanische Erbfolgekrieg brach aus. In ihn waren fast alle europäischen Mächte verwickelt, er wurde zwischen London und Paris mit indianischen Hilfstruppen auch in Nordamerika ausgetragen. Dort haben die Franzosen verloren, in Spanien aber gewonnen: Sie brachten ihren Mann durch, Philipp von Bourbon, allerdings waren seine Nachkommen von der Thronfolge in Paris ausgeschlossen, so dass Frankreich und Spanien sich nicht vereinigen konnten.

Philipp versuchte, nach dem Vorbild seines Großvaters, des Sonnenkönigs Ludwig XIV., in Spanien den Absolutismus einzuführen. Also statuierte er an den Katalanen, die im Erbfolgekrieg gegen ihn gestanden hatten, ein Exempel: Er ließ das widerspenstige Barcelona 1714 belagern und nahm den Katalanen nach ihrer Kapitulation ihre verbrieften Autonomierechte. Das hat man dort nicht vergessen: In jedem Heimspiel des FC Barcelona wird ein riesiges Banner mit der Jahreszahl 1714 entrollt: ein Aufruf, die Schmach von damals auszuwetzen.

Felipe VI. (*1968)

Im 20. Jahrhundert hat es sich durchgesetzt, den Herrschern ihren Namen in der Landessprache zu geben, so wird es auch mit dem sechsten Philipp gehalten. Er übernimmt von seinem Vater Juan Carlos, der nach 39 Jahren auf dem Thron abgedankt hat, ein schweres Erbe. Denn in Barcelona sieht man auch sieben Generationen später in ihm den direkten Nachfahren jenes Bourbonen, der den Katalanen vor genau 300 Jahren ihre Rechte genommen hat.

Auch in den anderen Teilen seines Reichs lehnt ein zuletzt immer größerer werdender Teil der Bevölkerung die spanische Monarchie ab. Diese hat den Makel, dass sie vom Diktator Franco per Testament wieder eingeführt worden ist, nachdem Felipes Urgroßvater Alfons XIII. 1931 freiwillig den Thron geräumt hatte. Grund war ein Erdrutschsieg republikanischer Kräfte bei den vorausgegangenen Wahlen.

Verwandt ist Felipe natürlich auch mit allen europäischen Herrscherhäusern, der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. gehört zu seinen direkten Vorfahren. Aber wie in den Königshäusern Englands, Norwegens, Schwedens, der Niederlande haben ja auch die spanischen Bourbonen in Gestalt seiner Frau Letizia bürgerliche Blutauffrischung betrieben.

© Süddeutsche.de/jst
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