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Namensvetter von Felipe VI.:Verhext, verrucht, verdorben

Preparations For Prince Felipe Coronation

In Madrid werden letzte Vorbereitungen für den Thronwechsel getroffen. Felipe VI. übernimmt für seinen Vater Juan Carlos.

(Foto: Getty Images)

Einer war für seine Schönheit bekannt, im Reich des Zweiten ging die Sonne nie unter. Einige waren knallharte Machtpolitiker, andere litten unter den Folgen der Inzucht. Fünf spanische Könige namens Philipp gab es in den vergangenen 500 Jahren. Heute kommt mit Felipe VI. ein sechster dazu.

Philipp I. (1478-1506)

Vor 509 Jahren hat der erste der spanischen Philipps, der den Beinamen "der Schöne" erhiel, den Thron in Madrid bestiegen. Es war keine einfache Sache, denn er war der Sohn des deutschen Kaisers Maximilian und aus dem Hause Habsburg. Und die waren den Franzosen schon zu mächtig; hinterlistig verbreiteten diese, als Philipp noch ein Kind war, dass er eigentlich ein Mädchen sei. Um die zweifelnden Bürger zu beruhigen, wurde er deshalb vor ihnen entblößt.

Da es nun keine Zweifel mehr gab, arrangierte sein Vater später eine Begegnung mit Johanna, der Thronerbin von Kastilien. Die beiden Königskinder verliebten sich nach der Überlieferung auf den ersten Blick so heftig ineinander, dass Philipp dem Hofkaplan den Befehl gab, sie auf der Stelle zu trauen. Danach verschwanden sie sofort im Schlafzimmer.

Sie bekamen sechs muntere Kinder, die schöne Karrieren machten: die vier Töchter wurden Königinnen von Portugal, Frankreich, Dänemark und Schweden sowie Böhmen und Ungarn, die beiden Söhne brachten es nacheinander zum deutschen Kaiser. Als Philipp der Schöne mit nur 28 Jahren vom Fieber dahin gerafft wurde, verfiel seine junge Witwe so in Schwermut, dass sie den Sarg nicht herausrücken wollte. Sie bekam den Beinamen "Johanna die Wahnsinnige", unter dem sie in die Geschichte einging.

Philipp II. (1527-1598)

Ganze Generationen deutscher Gymnasiasten wurden mit Johannas Enkel gequält, Philipp II. Er ist der düstere König in Friedrich Schillers Drama Don Carlos. Giuseppe Verdi hat für ihn in der gleichnamigen Oper eine großartige Bassarie geschrieben, eine Elegie über nicht erfüllte Liebe. Denn aus politischen Gründen wollte er die französische Prinzessin Elisabeth von Valois heirateten, die aber bereits mit Don Carlos, seinem Sohn aus erster Ehe, verlobt war und diesem in herzlicher Liebe verbunden. So meinten es jedenfalls Schiller und Verdi.

Philipp war einer der mächtigsten Herrscher in der europäischen Geschichte: "In seinem Reich geht die Sonne nie unter", schrieben schon seine Zeitgenossen. Es reichte von Peru ganz im Westen bis zu den Philippinen im Osten, die nach ihm benannt sind. Zum Wohle der Krone Spaniens wurden in den Überseebesitzungen die Ureinwohner ausgerottet oder versklavt.

In Europa wurde er dank Eheschließung auch Herrscher über Portugal, während das Projekt, in der zweiten Ehe auch die englische Krone zu ergattern, schmählich scheiterte. Denn der englische Adel verwehrte ihm die Krone, er blieb machtloser Prinzgemahl von Queen Mary I., die gleichzeitig seine Cousine und seine Tante war. Nach einer Scheinschwangerschaft verließ er sie und ward nie mehr in London gesehen. In vierter Ehe heiratete er seine Nichte Anna von Österreich.

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Felipe von Spanien übernimmt heute als sechster Philipp in der Geschichte der spanischen Monarchie den Thron.

(Foto: AFP)

Philipp III. (1578-1621)

Aus dieser Ehe ging Philipp III. hervor, unter dem es mit dem spanischen Imperium kräftig bergab ging. Sein Vater hatte dabei schon vorgearbeitet: Er hatte nämlich die Große Armada zur Unzeit gegen England geschickt, ein Sturm im Ärmelkanal und die Kanoniere der englischen Marine machten ihr den Garaus.

Philipp III. wurde überaus streng erzogen, das Rezept ging auf: Er nahm sich genauso gnadenlos wie der Herr Vater Abweichler vom wahren katholischen Glauben vor, er stärkte die Inquisition, seine nicht minder fromme Frau Margarethe von Österreich, eine Cousine zweiten Grades, machte kräftig dabei mit.

Er ließ sogar die Morisken vertreiben, die Nachkommen der zu Christen zwangsbekehrten Mauren, da diese ja keine vollwertigen Gotteskinder seien. Da zu diesen aber hoch spezialisierte Handwerker und bestens vernetzte Händler gehörten, war der Schaden für die Volkswirtschaft immens. Hinzu kam, dass der König mehr an Jagd und Musik als an Politik interessiert war und deshalb die Führung des Landes einer habgierigen und machtversessenen Adelsclique überließ.

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