Süddeutsche Zeitung

Nachruf:Der Stadlmeister

24 Jahre lang moderierte er den Musikantenstadl, reiste mit seiner Sendung nach China, Dubai oder Südafrika. Nun ist Karl Moik in Salzburg gestorben.

Von Bernd Graff

Als Karl Moik 1981 seinen ersten Musikantenstadl öffnete, klang das so: "Wir wollen beweisen mit Schwung und mit Scherz,/dass jugendlich bleibt nur ein fröhliches Herz./Drum macht's euch bequem! Vergesst Sorg' und Tadel!/Karl Moik sagt: Willkommen beim ersten Musikantenstadl!" Das war mal eine Ansage. Hier war die Bodenständigkeit zu Hause. Das alpenländische Klischee. Der krachlederne Humor. Und natürlich die nur wenig abwechslungsreiche volkstümliche Musik - nicht zu verwechseln mit Volksmusik. Moik war der Stadlmeister. 24 Jahre lang.

Der gelernte Werkzeugmacher wurde am 19. Juni 1938 im oberösterreichischen Linz geboren. Seinen Vater, den er in seiner Autobiografie "Ich habe nichts geschenkt bekommen" als "Musiker, Hallodri und Windhund" vorstellte, hat er erst mit fünf Jahren kennengelernt. Die Mutter brachte die Familie als Sekretärin in einer Papierfabrik alleine durch. Moik arbeitete zunächst als Vertreter von Kopiergeräten und Fernsehantennen, hatte aber stets Spaß an der Musik, spielte Klavier und Akkordeon und tourte als Mitglied des Jazz-Trios Jolly Austrians durch Europa. Später absolvierte er am Salzburger Mozarteum eine Sprechausbildung, die ihn zum Radio führte. Mit der ORF-Sendung "Volkstümliche Hitparade" legte er 1973 den Grundstein - auch für den Musikantenstadl, den er ab 1981 zuerst für den ORF, ab 1983 auch für die ARD moderierte.

Moik sendete aus Kapstadt - und traf Nelson Mandela; er sendete aus der DDR, da war die Mauer gerade gefallen; er sendete aus Russland, Kanada und Australien. In Peking ließen ihn die Behörden vor das Tor der "Verbotenen Stadt". Und natürlich übertrug auch das chinesische Staatsfernsehen seine Show.

Egal, wo Moik auch auftauchte - überall war er heiter, und man glaubte ihm das sogar. Er war kein Zyniker, so wie Stefan Raab, der ihn 2003 als Stadl-Gast einmal so besang: "Der Karl, der Karl, der Moik, Moik, Moik,/der kifft das schärfste Zeug, Zeug, Zeug./Und dann gibt er richtig Gas, Gas, Gas./Bitte nicht verklagen, ist nur Spaß, Spaß, Spaß." Moik lachte und schunkelte auch dazu. Denn ebenso wie Raab war er auch das: ein Flimmerkisten-Vollprofi.

Sein Erfolg gab ihm recht: Sieben Millionen Zuschauer schalteten seine Sendung durchschnittlich ein - und klatschten fröhlich zum Vollplayback. So richtig echt wirkte am Ende immer nur: der Moik.

Und manchmal war er sogar streitbar. So drohte er kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 damit, alles hinzuschmeißen, weil ihm sein Dubai-Stadl von der ARD wegen der weltpolitischen Lage zunächst aus dem Programm genommen worden war. Später wurde die Sendung dann doch nachgeholt. Auch nannte er Italiener mal "Spaghettifresser", was er später auf die Medikamente schob, die man ihm nach seinem Herzinfarkt verschrieben hatte. Seine Abschiedsvorstellung gab er am 31. Dezember 2005 in einem fünfstündigen Silvesterstadl aus Klagenfurt, den er trotz eines kleinen Schlaganfalls noch live bis zum Mitternachtssekt fertigmoderierte. Danach lag Moik zehn Tage im Krankenhaus.

Der Stadl war eben sein Lebensprojekt. Seine Frau Edith, mit der er seit 1964 verheiratet war, fungierte als seine Managerin. Sohn Wolfgang führte Regie. Da fiel ihm die Übergabe an Andy Borg so gar nicht leicht. Am Donnerstagmorgen ist Karl Moik mit 76 Jahren in einer Salzburger Klinik gestorben.

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Quelle:
SZ vom 27.03.2015
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