Nachkomme des berüchtigten Zodiac-Mörders:Plötzlich Sohn eines Serienkillers

Der Zodiac-Killer ermordete Ende der Sechzigerjahre mindestens fünf Menschen im Raum San Francisco. Der Täter wurde nie identifiziert. Jetzt hat sich ein Mann als Sohn des Mörders bezeichnet - und liefert angebliche Beweise.

Von Hanna Voß

Neue mysteriöse Nachrichten um den Zodiac-Killer, einem der berühmtesten Serienmörder der USA. Nachdem bereits im Jahr 2009 eine Frau behauptet hatte, der nie gefasste Täter sei ihr Vater, hat sich nun auch ein vermeintlicher Sohn geäußert.

Gary L. Stewart, Vizepräsident einer Reinigungsfirma in Baton Rouge, Louisiana, hat ein Buch veröffentlicht, in dem er sich selbst als Nachkommen des Zodiac-Killers bezeichnet. "The most dangerous animal of all" heißt sein Werk, also das gefährlichste Tier von allen. Geschrieben hat er es gemeinsam mit der preisgekrönten Autorin und Journalistin Susan Mustafa. Das Buch erschien am vergangenen Dienstag beim US-amerikanischen Verlag HarperCollins (hier geht es zur vollständigen Buchbeschreibung).

"Ein explosives und historisches Buch eines wahren Verbrechens und die hochemotionalen Memoiren eines Mannes, dessen zehnjährige Suche nach seinem biologischen Vater zu einer schaurigen Entdeckung führte: Sein Vater ist einer der bekanntesten und noch immer frei herumlaufenden Mörder in Amerika", hieß es zunächst in der offiziellen Zusammenfassung des Buches.

Was dort noch nicht erwähnt wurde, aber seit der Veröffentlichung klar ist: Stewart meint den Zodiac-Killer, der Ende der 1960er Jahre in Nordkalifornien Angst und Schrecken verbreitete.

Der Zodiac-Killer hatte in den Jahren 1968 und 1969 im Raum San Francisco fünf Menschen ermordert und zwei weitere schwer verletzt. Seine Opfer waren meist junge Paare, denen er an einsamen Plätzen in der San Francisco Bay Area auflauerte. Am 20. Dezember 1968 tötete er die 16-jährige Betty Lou Jensen und ihren Freund David Faraday, seine ersten Opfer.

Der Mörder schickte mehrere kryptische und verschlüsselte Bekennerbriefe an TV-Sender und Lokalzeitungen. In seinen Briefen brüstete er sich damit, nicht wie offiziell bekannt fünf, sondern mindestens 37 Morde begangen zu haben. Leichen oder konkrete Hinweise wurden jedoch nie gefunden.

Den Namen Zodiac gab sich der Mörder selbst und spielte damit auf das Zodiak-Symbol an. Zodiak, umgangsprachlich Tierkreis, ist eine etwa 20 Grad breite Zone, innerhalb derer die scheinbaren Bahnen von Sonne, Mond und Planeten verlaufen. Die Identität des Killers konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Stewart nennt nun einen Namen: Earl Van Best Jr., Ex-Mann seiner Mutter, Judith Gilford.

Nachdem der als Kind adoptierte Stewart im Alter von 39 Jahren das erste Mal von seiner leiblichen Mutter, Gilford, kontaktiert wurde, habe er begonnen, auch seinen biologischen Vater zu suchen. Nach mehr als zehn Jahren Recherche sei er zu einem erstaunlichen Schluss gekommen: Dieser Vater könne nur der berüchtigte Zodiac-Mörder sein.

Mit Hilfe von Regierungsdokumenten und Zeitungsartikeln, durch Gespräche mit Verwandten und Freunden habe Stewart mehrere Hinweise ans Licht gebracht. Forensische Beweise sollen die biologische Verbindung belegen. Das berichten mehrere amerikanische Medien. So gäbe es eine Übereinstimmung von Fingerabdrücken seines Vaters, Earl Van Best Jr., und Abdrücken an einem der Tatorte. Auch die Handschrift von Earl Van Best auf der Heiratsurkunde seiner Eltern stimme mit der der Zodiac-Bekennerschreiben überein. Bei dieser Hochzeit soll Judith Gilford 13 und der vermeintliche Serienmörder 27 Jahre alt gewesen sein.

Von Anwälten geprüft

Erst im Jahr 2009 hatte sich eine Frau in einer dramatischen Rede vor der Redaktion des San Francisco Chronicle als Tochter des Zodiac-Killers bezeichnet. Die Immobilienmaklerin aus Orange County südlich von Los Angeles hatte behauptet, sie habe ihren Vater als Kind ahnungslos bei mindestens zwei seiner Killertouren begleitet. Die Pistolenschüsse, die sie dabei mitangehört habe, habe er ihr als "Feuerwerkskörper" erklärt. Die Polizei zeigte sich damals wenig beeindruckt von dieser These, die letztlich auch nicht bestätigt werden konnte.

Das 367-seitige Buch Gary L. Stewarts sei jedoch von Anwälten des HarperCollins-Verlages geprüft worden, schreibt das New York Magazine, das auch das Cover zeigt. Eine Publizistin des Verlages sagte der Zeitschrift, Gary L. Stewart habe die Entdeckung gar nicht glauben wollen. Die meisten Menschen würden schließlich nicht erfahren wollen, dass ihr leiblicher Vater ein berüchtigter Serienmörder sei.

Sollte es sich bei bei Earl Van Best tatsächlich um den Zodiac-Mörder handeln, wäre von ihm nichts mehr zu befürchten. Van Best starb bereits 1984. Stewarts leibliche Mutter, Judith Gilford, ist derweil mit einem Polizisten verheiratet, der einst den Zodiac-Killer jagte.

© SZ.de/feko/holz
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