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Nach Überfall auf Reisegruppe in Äthiopien:Vermisste Deutsche sollen nach Eritrea verschleppt worden sein

Die in Äthiopien entführten Mitglieder einer Reisegruppe - darunter zwei Deutsche - werden nach Angaben des Außenministeriums in Addis Abeba in Eritrea vermutet. Unterdessen ist die Identität der beiden bei dem Überfall erschossenen Deutschen vermutlich geklärt: Es soll sich um einen 58-Jährigen aus Cottbus und einen 74-Jährigen aus Schleswig-Holstein handeln.

Die nach dem tödlichen Überfall im Norden Äthiopiens vermissten deutschen Touristen befinden sich womöglich in Eritrea: "Es gibt Berichte, dass sie inzwischen in Eritrea sind", sagte ein Sprecher des äthiopischen Außenministeriums. Die Regierung in Addis Abeba versicherte, es werde alles getan, um die baldige Freilassung der Geiseln zu erreichen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte dagegen, es gebe bisher keine neuen Informationen zum Verbleib der beiden vermissten Deutschen.

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Bei dem Überfall auf eine europäische Reisegruppe waren in der Nacht zum Dienstag in der Afar-Region an der Grenze zu Eritrea zwei Deutsche, zwei Ungarn und ein Österreicher getötet worden. Zwei weitere Deutsche wurden nach dem Angriff vermisst. Unklar war jedoch, ob sie von den Angreifern verschleppt wurden.

Die Gruppe von dem deutschen Touranbieter Diamir befand sich auf einer Wanderung am aktiven Vulkan Erta Ale. Die entlegene Wüstenregion gilt als unsicher und äußerst unwirtlich, ist bei Abenteuer-Reisenden jedoch wegen ihrer teils spektakulären Landschaften beliebt.

Zu der Gruppe hätten insgesamt 27 Touristen gehört, hieß es in einer auf der Webseite des äthiopischen Außenministeriums veröffentlichten Mitteilung. Die genauen Hintergründe der Tat blieben weiter unklar. Der Dresdner Reiseveranstalter sagte nach dem Überfall alle Reisen in die betroffene Region ab.

Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Innenministers Klaus Schlie handelte es sich bei einem der beiden deutschen Todesopfer um einen 74-Jährigen aus dem Kreis Ostholstein. Die Lausitzer Rundschau hatte zuvor berichtet, der andere Getötete sei ein 58-Jähriger aus Cottbus. Die Leichen der Touristen trafen am Mittwochnachmittag in der Hauptstadt Addis Abeba ein.

Der Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, es sei noch offen, wann die Überlebenden nach Deutschland zurückkehren würden. Sie seien als Augenzeugen des Angriffs eine wichtige Informationsquelle für die äthiopischen Behörden.

Anders als zunächst angegeben, stammen die drei bei dem Angriff Verletzten offenbar aus Ungarn, Belgien und Großbritannien. Ein Teil der unverletzten Touristen war Angaben des äthiopischen Fernsehens zufolge in die nördliche Stadt Mekele gebracht worden, von der aus die meisten Touren in die Danakil starten.

Bundeskriminalamt schickt Mitarbeiter nach Äthiopien

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat inzwischen mehrere Mitarbeiter nach Äthiopien geschickt. Wer hinter der Tat stecken könnte, sei noch unklar, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke im ARD-Morgenmagazin. "Es gibt Vermutungen, dass es Rebellen sein könnten, aber da wäre ich sehr vorsichtig, das müssen die weiteren Ermittlungen ergeben." Es könne noch einige Tage dauern, bis konkrete Informationen vorliegen. Die äthiopische Regierung machte von der eritreischen Regierung ausgebildete Terroristen für die Tat verantwortlich.

Die Danakil-Senke unweit der eritreischen Grenze ist einer der heißesten Orte der Erde. In dem Gebiet kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Touristen: 2007 waren dort fünf Europäer - vier Briten und eine Französin - entführt und nach knapp zwei Wochen unbeschadet gegen Lösegeld wieder freigelassen worden. Auch 2008 gab es mehrere Überfälle auf Reisegruppen. Das Auswärtige Amt und die Außenministerien zahlreicher anderer Länder weisen auf ihren Webseiten deshalb auf ein erhöhtes Reiserisiko hin.

Die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea sind sehr angespannt. Eritrea war 1993 unabhängig von Äthiopien geworden. Seither hat Äthiopien keinen Meereszugang mehr. Zwischen 1998 und 2000 kam es zu einem blutigen Grenzkrieg mit mehr als 100.000 Toten.

© Süddeutsche.de/dpa/fran/aho/holz

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