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Nach Tod von Cecil:Warum Hasstweets nichts ändern werden

Immer wieder stehen einzelne Jäger in der Kritik. Vor zwei Jahren löste eine amerikanische Fernsehmoderatorin weltweite Empörung aus, nachdem sie in Südafrika einen Löwen erschossen und mit ihrer Trophäe für Instagram-Fotos posiert hatte. Schon damals liefen der Zorn, die öffentlichen Beleidigungen, die Petitionen gegen sie ins Leere. Die Löwenjagd ist in vielen Ländern im südlichen Afrika mit entsprechenden Genehmigungen erlaubt, damals wie heute. Und ganz bequem buchbar: Bei Anbietern wie "Jagd Royal" etwa kann man sich mit wenigen Klicks Jagden auf Löwen, Büffel und Elefanten in Namibia, Tansania, Südafrika organisieren. Solange es diese Möglichkeiten gibt, wird es Menschen geben, die mit toten Löwen vor Kameras posieren.

Und selbst wenn die Petition Erfolg hat, in der bisher mehr als 130 000 Menschen Simbabwes Präsidenten Robert Mugabe auffordern, die Genehmigungen zur Jagd auf vom Aussterben bedrohte Tiere zu stoppen, wird nicht unbedingt alles besser. Von organisierten Jagden lebt ein ganzer Geschäftszweig, sie beleben den Tourismus gesamter Regionen. Und Verfechter sagen, die nachhaltige und selektive Jagd von Löwen schütze deren Bestand.

Lokale Gemeinschaften brauchen die Löwenjagd

Der Ansicht sind nicht nur Waffennarren, sondern auch der Präsident der Naturschutzorganisation "International Council for Game and Wildlife Conservation" (CIC), Bernard Lozé. Er sagt, ein generelles Jagdverbot sei von Nachteil, wie einige Beispiele aus Reservaten in Afrika zeigten: "Die Löwenpopulation im Waza-Nationalpark, im Norden Kameruns, steht kurz vor der Ausrottung, trotz eines jahrzehntelangen Jagdverbotes." Die größte Population Afrikas hingegen lebe in Tansania, wo die Jagd stets erlaubt war. In einer Stellungnahme weist der CIC darauf hin, dass es fragwürdig sei, wenn Tierschützer aus wohlhabenden Industriestaaten arme lokale Gemeinschaften um den Ertrag der Löwenjagd bringen.

Welche Meinung man auch immer zu den Jagdabenteuern reicher Touristen haben mag: Hasstweets, Plüschtiere, Tötungsfantasien werden daran nichts ändern. Und schon gar nicht, dass ein amerikanischer Zahnarzt, der sich öffentlich für seinen Fehler entschuldigt hat, nicht mehr in sein Haus zurückkann.

© SZ.de/ebri
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