Süddeutsche Zeitung

Nach Rettung im Mittelmeer:Syrische Flüchtlinge verlassen Kreuzfahrtschiff

Erst belagern mehr als 280 syrische Flüchtlinge ein Kreuzfahrtschiff vor Zypern, das sie zuvor aus Seenot gerettet hat, und stellen Forderungen. Jetzt haben sie nachgegeben.

  • Die Flüchlinge aus Syrien, die nach ihrer Rettung ein Kreuzfahrtschiff vor der Küste von Zypern belagerten, haben das Schiff inzwischen verlassen.
  • Die Besatzung des Kreuzfahrtschiffs hatte die Syrer zuvor auf dem Meer gerettet, als diese in Seenot waren.
  • Die Geretteten verlangten, nach Italien gebracht zu werden.

Flüchtlinge geben nach

Nach stundenlanger Weigerung haben etwa 280 aus Seenot gerettete Flüchtlinge am Freitag ein Kreuzfahrtschiff vor der Küste Zyperns verlassen. Die Polizei habe auf dem Schiff verhandelt, woraufhin sämtliche Flüchtlinge im Hafen von Limassol "ruhig" an Land gegangen seien, teilt der zyprische Katastrophenschutz mit.

Die Syrer, die auf dem Schiff ausharrten, hatten dem Chef der Kreuzfahrtgesellschaft Salamis Cruise Lines, Kikis Vassiliou, zufolge gefordert, nach Italien gebracht zu werden.

Rettung im Mittelmeer

Das zyprische Kreuzfahrtschiff Salamis Filoxenia hatte die insgesamt etwa 345 Menschen am Donnerstag an Bord genommen, nachdem das Flüchtlingsboot in rauer See 100 Kilometer südlich von Paphos zu kentern drohte. Nach der Landung im Hafen von Limassol sollten die Flüchtlinge in ein Armeelager gebracht werden. Nur 65 von ihnen verließen jedoch zunächst das Schiff und wurden in ein Aufnahmelager nahe Nikosia gebracht.

Kapitän ließ Flüchtlingsboot im Stich

Die Flüchtlinge sollen nach eigenen Angaben von Syrien gestartet und drei Tage auf See gewesen. Der Kapitän habe das Flüchtlingsboot im Stich gelassen. Zyperns türkisch kontrollierte Nordostküste liegt nur etwa 100 Kilometer von der syrischen Küste entfernt.

Kreuzfahrtunternehmen droht finanzieller Verlust

"Wir haben alles getan, um sie zu retten, wir haben ihnen zu Essen gegeben und Hilfe geleistet, und jetzt wollen sie unser Unternehmen ruinieren", sagte Vassiliou. Da das Kreuzfahrtschiff nicht weiterfahren konnte, drohten seinem Unternehmen Verluste in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro, sagte er.

Etwa 300 russische Urlauber, die mit der Salamis Filoxenia am Donnerstagabend Richtung Israel hätten auslaufen sollen, wurden vorerst in Hotels in Limassol untergebracht. In der Nacht zum Freitag liefen Verhandlungen mit den Geretteten. Im Hafen standen Ärzte, Krankenschwestern und Mitarbeiter des Roten Kreuzes bereit, um den Flüchtlingen zu helfen.

Bereits 3000 Flüchtlinge kamen im Mittelmeer ums Leben

Seit Jahresbeginn kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits etwa 3000 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben. Die zahlreichen Konflikte im Nahen Osten sowie in Ost- und Zentralafrika haben 2014 eine beispiellose Zahl von Menschen in die Flucht getrieben.

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