Nach Protesten in Wiesbaden Gold-Erdoğan wieder abgebaut

Wiesbaden in der Nacht auf Mittwoch: Mit Hilfe eines Krans entfernt die Feuerwehr die Erdoğan Statue.

(Foto: Sebastian Stenzel/dpa)
  • In Wiesbaden war im Rahmen eines Kunstfestivals, das noch bis 2. September läuft, eine goldene Statue des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan aufgebaut worden.
  • Nach längerer Debatte hatte die Stadt am Dienstag zunächst entschieden, sie stehen zu lassen.
  • Weil es in der Nacht zum Mittwoch vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anhängern Erdoğans kam, ließ die Stadt die Statue entfernen.
  • Zudem hätten kurdische Kreise dazu aufgefordert, zu Protestaktionen nach Wiesbaden anzureisen.

Die Stadt Wiesbaden hat die als Teil eines Kunstfestivals aufgestellte Statue des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan abbauen lassen. Die Sicherheit habe nicht mehr gewährleistet werden können, teilte die Stadt am späten Dienstagabend per Twitter mit. Die Feuerwehr rückte kurz nach Mitternacht an, um die vier Meter hohe Statue mit einem Kran zu entfernen.

Am Dienstagabend war es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des türkischen Präsidenten gekommen. Etwa 200 bis 300 Menschen versammelten sich der Polizei zufolge auf dem Platz. Ein Sprecher berichtete von einer "leicht aggressiven Stimmung", jedoch blieb es demnach bei einem verbalen Schlagabtausch. Etwa 100 Einsatzkräfte waren vor Ort. Der Wiesbadener Kurier dagegen zitierte Ordnungsdezernent Oliver Franz, wonach es auch zunehmend zu Handgreiflichkeiten gekommen sei. "Auch Stichwaffen wurden gesichtet." Die hessische Landespolizei habe schließlich empfohlen, die Statue zu entfernen.

Im Laufe des Tages sei dann zudem bekannt geworden, dass kurdische Kreise dazu aufgefordert hätten, zu Protestaktionen nach Wiesbaden anzureisen, sagte Stadtsprecher Ralf Munser. Das hätte nach Einschätzung der Stadt "einen massiven dauerhaften Polizeieinsatz" nötig gemacht. In dieser Situation hätten Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) und Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) am Abend den Abbau beschlossen.

Erdoğan-Figur in Wiesbaden

Mit erhobenem Zeigefinger

Schon kurz nach ihrer Enthüllung im Rahmen der Wiesbaden Biennale hatte die Kunstinstallation kontroverse Reaktionen ausgelöst. Jemand schrieb "türkischer Hitler" auf die Statue. Ein grüner Penis prangte auf Erdoğans linkem Bein. Die Statue provozierte aber nicht nur Abneigung. Zahlreiche Unterstützer des Präsidenten ließen sich mit Türkei-Flagge vor ihm fotografieren.

Erst wenige Stunden vor den Auseinandersetzungen am Dienstagabend hatte der Magistrat der Stadt getagt, um zu entscheiden, wie es mit der Statue weitergehen sollte. Und hatte eigentlich beschlossen, dass Gold-Erdoğan bis zum Ende der Biennale am 2. September stehen bleiben sollte. Die Kunstschau läuft unter dem Motto "Bad News". Die Erdoğan-Statue sei "keine politische Demonstration", sagte Oberbürgermeister Gerich kurz nach dem Beschluss dem Wiesbadener Kurier. "Der Magistrat ist der Meinung, dass das im Rahmen der Kunstfreiheit auszuhalten ist."

Im Vorhinein hatte das Kunstfestival die Genehmigung eingeholt, eine überlebensgroße menschliche Statue zentral in Wiesbaden errichten zu dürfen, bestätigt Gerich. "Dass es eine Statue von Erdoğan wird, war nicht bekannt." Man bekenne sich zur Kunstfreiheit, erklärten die Verantwortlichen. Einschreiten wollte die Stadt nur, wenn von der Kunstaktion eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehe. Das hat sie nun getan.