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Nach Protest gegen Chemnitzer Thor-Steinar-Filiale:"Tønsberg" statt "Brevik"

Der Protest gegen einen neuen Laden in Chemnitz war enorm, nicht nur, weil dort Kleidung der bei Rechtsextremen beliebten Marke "Thor Steinar" verkauft wird. Der Name "Brevik" erinnert zu sehr an den Attentäter von Utøya. Nun ist der Schriftzug verschwunden, doch die Chemnitzer wehren sich weiter gegen das Geschäft.

Der Schriftzug "Brevik" prangte nicht lange an dem Laden in der Chemnitzer Mühlenstraße. Nur sieben Tage nach seiner Eröffnung sind die Buchstaben an der Filiale der bei Rechtsextremen beliebten Modemarke "Thor Steinar" wieder abgeschraubt. Zu nahe war der gewählte Name eines Dorfes in Südnorwegen an dem des Psychopathen Anders Breivik, der im vergangenen Juli in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen hinrichtete.

A worker mounts a sign with the new name 'Tonsberg' at a clothing store of the Thor Steiner lable in Chemnitz

"Tønsberg" statt "Brevik": Die umstrittetene Bekleidungsmarke "Thor Steinar" hat ihre neue Filiale in Chemnitz umbenannt.

(Foto: REUTERS)

Grund für das Einknicken der Firma Mediatex, die hinter der Marke steht, ist offenbar der harsche Protest eines Chemnitzer Bündnisses aus Lokalpolitikern, Gewerbetreibenden und Bürgern. Die Initiative hatte sich formiert, weil nur ein kleines "i" fehlte, um den Namen des Ladens dem des Massenmörders Breiviks gleichzusetzen.

Ein Unternehmenssprecher im brandenburgischen Mittenwalde versucht abzuwiegeln. Die Ortschaft Brevik sei einfach als Namenspate gewählt worden und mit solchen Assoziationen habe man "nicht gerechnet", sagt er. Dass trotz mehrerer Tausend zur Verfügung stehender norwegischer Ortsnamen die Wahl ausgerechnet auf Brevik fiel, nennt er eine "Unachtsamkeit". Das Geschäft heißt nun Tønsberg.

Hanka Kliese, SPD-Landtagsabgeordnete aus Chemnitz und Initiatorin von "Bündnis Buntes Brühl", nennt die Argumentation verlogen. "Der Name war bewusst gewählt und sollte die Assoziation zu Breivik herstellen. Das ist widerlich, schockierend und entlarvt die Firma", sagt sie. Das Verschwinden des Namens ist für sie deshalb nur ein Teilerfolg. "Hinter der Firma steht eine gewaltverherrlichende und menschenverachtende Ideologie. So einen Laden wollen wir nicht haben, egal wie er heißt", betont Kliese.

Generell gebe es ein Problem mit Rechten in Chemnitz, sagt Kliese. "Die Lage in Chemnitz hat sich zugespitzt, seitdem der Bundesvorsitzende der NPD sein Büro hier hat." Ähnlich sieht das der jüdische Gastronom Uwe Dziuballa, auf dessen Restaurant es schon mehrfach Anschläge mit rechtsradikalem Hintergrund gab. Durch die Eröffnung des Laden sehe er sich zum Widerstand angespornt. "Chemnitz ist nicht mehr oder weniger rechts als andere Städte. Es wird aber Zeit, dass wir dem eine andere Kultur entgegen setzen", sagt Dziuballa.

"Unglücklich und rücksichtslos"

Unterdessen ist die Kunde von dem Laden namens Brevik bis nach Norwegen gedrungen. Mehrere Tageszeitungen berichteten über die provokante Namensgebung, die angesichts der Vorfälle im vergangenen Jahr von vielen Norwegern als "sehr unglücklich und rücksichtslos" empfunden werde, wie Anne-Kirsti Karlsen, Sprecherin der Norwegischen Botschaft, sagt.

Eine rechtliche Handhabe gegen Mediatex, die deutschlandweit 13 Geschäfte betreibt, hat aber selbst das Königreich nicht. So scheiterte das Land bereits vor Jahren mit einer Klage wegen der Verwendung der norwegische Flagge als Logo für die Marke "Thor Steinar". Ebenso verpuffen Proteste gegen die Nutzung norwegischer Ortsnamen für die Geschäfte. "Wir können nur förmlich protestieren. Die Firma antwortet uns auf unsere Schreiben aber nicht", sagt Karlsen.

Ebenso wie dem Königreich sind auch der Stadt Chemnitz die Hände gegen Mediatex gebunden - auch wenn man den Laden so schnell wie möglich wieder loshaben will, wie Stadtsprecherin Katja Uhlemann betont. Um dennoch gegen die Inhaber vorzugehen zu können, hat die Stadt bereits Kontakt mit dem Vermieter der Verkaufsräume aufgenommen, der in Landshut lebt. "Die ersten Signale sind positiv. Der Eigentümer ist genauso unglücklich wie wir über den Laden", sagt Uhlemann. In Chemnitz wächst die Hoffnung, dass der Laden demnächst komplett aus der Stadt verschwindet.

© Süddeutsche.de/dapd/leja/ros

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