Nach Havarie des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" Szenen wie im Film "Titanic"

Francesco Paolillo von der Küstenwache berichtete, das Schiff habe "ein Hindernis getroffen, das ein 50 Meter langes Loch in den Rumpf gerissen hat." Wasser sei eingedrungen, das Schiff habe sich daraufhin zur rechten Seite geneigt. Zwölf Stunden nach dem Unfall lag es fast waagerecht auf der Seite im Wasser. Paolillo sagte, der erste Alarm sei am Freitag gegen 22.30 Uhr eingegangen, etwa drei Stunden nach dem Ablegen des Schiffs von Civitavecchia.

Ein Großteil der Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord wurde mit Rettungsbooten vom Schiff gebracht, nachdem die Costa Concordia auf Grund gelaufen war. Als das Kreuzfahrtschiff immer mehr Schlagseite bekommen habe, hätten fünf Hubschrauber der Küstenwache, der Marine und der Luftwaffe die noch etwa 50 an Bord verbliebenen Menschen geborgen, sagte Paolillo. Sie hatten sich nicht mehr in Sicherheit bringen können, weil das Schiff so stark Schlagseite bekommen hatte, dass keine Rettungsboote mehr zu Wasser gelassen werden konnten.

Eine Reihe von Passagieren klagte, die Besatzung habe für die Rettungsaktionen nicht richtig ausgebildet gewirkt. Die Evakuierung sei viel zu spät eingeleitet worden und chaotisch gewesen.

Der Deutsche Peter Honvehlmann aus Nordrhein-Westfalen gehört zu denjenigen, die das schwere Schiffsunglück vor der toskanischen Küste erlebten. In einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur dpa schilderte er seine Eindrücke. Es sei seine erste Kreuzfahrt gewesen - "und sicherlich auch die letzte". Unversehrt war der 38-jährige Geschäftsmann zusammen mit seiner Frau gleich zu Beginn der Evakuierung von Bord gebracht worden. "Es ging ein Ruck durch das Schiff", erzählt der Deutsche, über den Unglücksmoment. "Innerhalb kürzester Zeit bekam es eine Schräglage, so dass die Vasen von den Tischen fielen, von den Tresen fiel alles runter, (...) einige Leute stolperten von den Treppen runter." Es sei ähnlich wie im Film Titanic gewesen.

Zunächst seien die Passagiere von einem technischen Defekt unterrichtet worden, sagte Honvehlmann. Die Mannschaft habe versucht, die Leute zu beruhigen. "Dann trieb das Schiff immer mehr auf die Küste zu." Die Lage sei anfangs chaotisch gewesen, in den Booten aber hätten die Leute relativ ruhig gesessen. Nach dem Abseilen sei das Boot innerhalb von fünf Minuten im nahe gelegenen Hafen gewesen, wo die Passagiere unter anderem mit Decken und warmer Kleidung versorgt worden seien.

Das Schiff gehörte zu den größten seiner Art

Nach Angaben italienischer Reporter ereignete sich der Aufprall während des Abendessens. "Wir saßen zu Tisch, als die Lichter ausgingen. Plötzlich hörten wir ein lautes Geräusch, also ob der Kiel über etwas hinwegschleift," zitierte der staatliche Rundfunk den Journalisten Luciano Castro. Das Licht sei ausgegangen, "und es gab Panikszenen, Gläser fielen zu Boden".

Eine Frau, die als Tänzerin auf dem Schiff gearbeitet hatte, musste besonders lang ausharren - und setzte in der Nacht zum Samstag eine Botschaft bei Twitter ab: "Ich bin eine der letzten Überlebenden an Bord. Beten Sie für uns, das wir gerettet werden."

Die Costa Concordia befand sich nach Angaben der Reederei Costa Cruises auf einer achttägigen Kreuzfahrt vom italienischen Civitavecchia über Savona, Marseille, Barcelona, Palma de Mallorca, nach Cagliari und Palermo.

Nach Angaben der Agentur dpa wurde das Schiff bereits 2008 beschädigt, als es bei schwerem Sturm in den Hafen von Palermo einfuhr und die Hafenbefestigung rammte und war beschädigt worden.

Nach Angaben des Eigners gehörte das Schiff zu den neuesten und größten Kreuzfahrtschiffen, die derzeit auf den Meeren unterwegs sind. Es wurde 2006 gebaut und bietet in 1500 Kabinen Platz für 3780 Passagiere. Betreiber ist das italienische Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere mit Sitz in Genua. Das Schiff misst 290 Meter und ist gut 35 Meter breit. An Bord befinden sich auf 17 Decks neben fünf Restaurants auch ein Theater, ein Kino sowie Clubs und Diskotheken.