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Nach Gruppenvergewaltigung in Indien:Mutter von Opfer bei Attacke schwer verletzt

Zwei junge Frauen wurden im Norden Indiens vergewaltigt und getötet. Die Familie der Opfer weigert sich, die Vorwürfe gegen die Täter fallen zu lassen - deshalb wurde die Mutter von einem der Mädchen wohl angegriffen.

Nach dem jüngsten erschütternden Fall einer Gruppenvergewaltigung in Indien ist die Mutter eines Opfers wohl aus Rache schwer verletzt worden. Die Mutter sei vom Vater eines mutmaßlichen Täters angegriffen worden und habe mehrere Knochenbrüche erlitten, teilten Polizei und Krankenhausmitarbeiter mit. Die Familie des Opfers hatte sich zuvor geweigert, die Vorwürfe gegen die Vergewaltiger fallenzulassen. Der Angreifer wurde festgenommen.

Nach Berichten des Senders NDTV wurde die Mutter von fünf Männern in einem Feld in der Nähe des Hauses der Familie angegriffen. Die Angreifer hätten bereits zuvor Druck auf die Familie ausgeübt, ihre Vorwürfe in dem Vergewaltigungsfall zurückzuziehen.

Zwei Mädchen waren Dienstagnacht im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh von ihren Familien als vermisst gemeldet worden. Am Mittwoch entdeckte man die Leichen der 14 und 16 Jahre alten Cousinen, wie die Polizei mitteilte - aufgehängt an einem Baum.

"Der Vater eines Mädchens sagte, dass sie von fünf Männern vergewaltigt und dann von den Tätern gehängt wurden", sagte ein Polizeisprecher. Eine Untersuchung der Toten bestätigte den Missbrauch. Den Behörden zufolge könnten sich die Mädchen aber auch nach der Tat selbst erhängt haben. Ihre Familien gehören den Dalits an, der ehemals untersten Kaste der indischen Gesellschaft.

Nach Angaben der Polizei wurden bislang vier Männer festgenommen, nach drei weiteren werde gefahndet. Unter den Tätern sollen mindestens zwei Polizisten sein.

Der Leichenfund hatte im Dorf Proteste gegen die Polizei ausgelöst. Die Bewohner warfen ihr vor, nicht auf die Vermisstenanzeige reagiert und die Suche verzögert zu haben. Sie blockierten eine Straße und forderten Konsequenzen für die verantwortlichen Beamten.

Daraufhin wurden drei Polizisten suspendiert und gegen zwei weitere Ermittlungen wegen mutmaßlicher Verschwörung mit den Tätern und Verzögerung der Suche aufgenommen. Die Polizei versprach, mit einem 60-köpfigen Team nach den weiteren Verdächtigen zu fahnden und diese bald festzunehmen.

Im Dezember 2012 hatte der Fall der tödlichen Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Neu Delhi weltweit für Schlagzeilen gesorgt und in Indien Massenproteste gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen in der indischen Gesellschaft ausgelöst. Seitdem wurden die Strafen für Vergewaltigung verschärft, das öffentliche Bewusstsein für die Verbrechen stieg.

© Sueddeutsche.de/dpa/AFP/les/mane