Nach der Atomkatastrophe in Japan:"Der Pazifik ist ein riesiger Wasserkörper"

Die EU-Mitgliedsländer einigten sich Anfang April nach anfänglichem Lavieren auf einheitliche, niedrigere Grenzwerte, die nunmehr den japanischen Standards entsprechen. Zuvor hatte die EU bei Cäsium eine Höchstbelastung von 1250 Becquerel pro Kilogramm erlaubt, während der entsprechende Wert in Japan bei 500 liegt. In Deutschland werden japanische Lebensmittel seit der Katastrophe von Fukushima nur noch an 15 Flughäfen, Grenzübergängen und Häfen eingeführt und kontrolliert.

Fisch aus japanischen Gewässern landet hierzulande ohnehin kaum auf dem Tisch: So stammen laut Lobbyist Keller von den fast zwei Millionen Tonnen Fisch, die hierzulande verarbeitet werden, gerade einmal 76 Tonnen aus Japan.

Was aber, wenn sich die Radioaktivität im Pazifik weiter ausbreitet? Der Nordpazifik, genauer gesagt die Beringsee und das Ochotskische Meer, ist der Lebensraum des Alaska-Seelachses. Aus dieser Dorschart wird jedes fünfte Fischprodukt hergestellt, das in Deutschland auf den Markt kommt. Die Fanggebiete liegen 2500 Kilometer von der japanischen Küste entfernt.

"Der Pazifik ist ein riesiger Wasserkörper", sagt Michael Welling vom staatlichen Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut. Nach seiner Einschätzung werden sich die radioaktiven Stoffe schnell sehr stark verdünnen. Bis die ersten Partikel die Fanggebiete im Nordpazifik erreichen, dürfte es Monate oder sogar Jahre dauern.

Dennoch haben EU, Verbraucherschutzministerium und die Fischindustrie nun verstärkte Kontrollen auch für Fisch aus dem Nordpazifik angekündigt. In Deutschland werden die zuständigen Landesbehörden in den kommenden Wochen damit beginnen, stichprobenartig Importe etwa aus der Beringsee zu kontrollieren. Die Filets, die jetzt in deutschen Supermärkten liegen, wurden ohnehin vor dem Unglück in Fukushima gefangen. Bis ein sogenannter Alaska-Seelachs (auch: Pazifischer Pollack) im deutschen Kühlregal landet, vergehen immerhin bis zu 15 Wochen.

In den Berliner Sushi-Restaurants unter der Leitung von Jana Kämpfer bekommen die Gäste schon bald überhaupt keine japanischen Produkte mehr serviert. Entweder bräuchten die Japaner die Zutaten selbst, oder sie könnten wegen der strengen Grenzwerte nicht mehr exportiert werden, sagt sie. "Sake und unsere spezielle Mehlsorte bekommen wir genauso gut aus Kalifornien."

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