Nach den Krawallen in Großbritannien Vier Jahre Haft für Randale-Aufruf auf Facebook

Ihre Facebook-Aktionen waren erfolglos - trotzdem hat ein Gericht zwei junge Engländer wegen der Anstiftung zu Krawallen zu vier Jahren Haft verurteilt. Im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen spricht die britische Justiz harte Strafen aus und ruft damit Bürgerrechtsorganisationen auf den Plan.

Zwei junge Männer aus dem Nordwesten Englands sind wegen Anstiftung zu Randalen zu jeweils vier Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil fällte ein Gericht in der Grafschaft Chester am Dienstagabend.

Die beiden Männer hatten auf Facebook zu Randale und Plündereien aufgerufen. Jordan P. plante auf der Plattform am 8. August eine Veranstaltung mit dem aussagekräftigen Namen "Smash Down in Northwich Town". Zum angegebenen Treffpunkt erschien allerdings niemand - außer Polizisten, die den 20-Jährigen umgehend festnahmen.

Der zweite Angeklagte, Perry S., erstellte wenige Stunden nach dem Aufruf zu Krawallen in Northwich auf seinem Facebook-Profil eine Seite namens "The Warrington Riots". Als er am nächsten Morgen verkatert aufwachte, entfernte er die Seite wieder und sprach von einem Scherz. Der Vandalismus-Aufruf ging an 400 seiner Facebook-Kontakte, blieb jedoch ohne Wirkung.

Nach Angaben der Anklage führten die Aufrufe der jungen Männer zu "erheblicher Panik und Unruhe in den örtlichen Kommunen, als sich Gerüchte über erwartete Gewaltausbrüche verbreiteten". Die strengen Strafen sollten anderen eine Warnung sein.

Unterdessen haben Strafrechtler und Bürgerrechtsorganisationen die strengen Urteile gegen Randalierer als "unverhältnismäßig" kritisiert. Gegen fast 1300 Verdächtige wurde bereits Anklage erhoben, 115 Urteile haben britische Gerichte bis zum Montag im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen gesprochen. Nicht immer geht es dabei um folgenschweren Vandalismus. So steht in Manchester ein 22-Jähriger vor Gericht, der sich während der Unruhen in der Innenstadt in einer Eisdiele selbst bediente. Er gab die Waffel weiter, weil ihm die Sorte nicht schmeckte. Ein Student wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt, weil er eine Flasche Wasser aus einem Supermarkt stahl.

"Manche Entscheidungen bewegen sich außerhalb jeglicher Verhältnismäßigkeit", sagte Sally Ireland von der Rechtsreformorganisation Justice dem britischen Guardian. "Es wird eine Masse an Berufungsverfahren geben, auch wenn viele ihre Strafen schon abgesessen haben werden, bis diese durch sind."

Medienberichten zufolge wurden Gerichte angehalten, Fälle im Zusammenhang mit den Krawallen in Großbritannien nicht nach den normalen Richtlinien zu behandeln, sondern an die nächste gerichtliche Instanz zu verweisen - was härtere Strafen zur Folge haben kann.