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Nach dem Anschlag in Barcelona:"Die Ramblas sind als Ort prädestiniert für eine solch grausame Tat"

Alberto de la Iglesia Rodriguez, Doktorand

"Barcelona ist eine so multikulturelle Stadt, in der Menschen aus verschiedensten Kulturen ganz selbstverständlich aufgenommen werden und miteinander leben. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich einfach nicht damit gerechnet habe, dass ein solcher Anschlag ausgerechnet hier stattfinden würde.

Gleichzeitig muss ich sagen: Die Ramblas sind als Ort prädestiniert für eine solch grausame Tat. Da können unsere Anti-Terror-Vorkehrungen noch so gut sein. Jeder, der es darauf anlegt, kann mit dem Auto in die Fußgängerzone fahren und vielen Menschen Schaden zufügen. Wirklich sicher vor Anschlägen konnte man sich da nie fühlen. Trotzdem habe ich nie mit Furcht darüber nachgedacht, sondern eher im Bewusstsein, dass das in einer der größten Städte Spaniens eben passieren kann. Erst recht an Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten.

Ich selbst war zum Zeitpunkt des Anschlags zu Hause, aber mein Herz hat gepocht, als wäre ich irgendwo mitten im Geschehen. Gleichzeitig war ich wie versteinert, weil ich das alles gar nicht begreifen konnte. Zu realisieren, dass das gerade nicht Tausende Kilometer von dir entfernt passiert, sondern 20 Minuten die Straße hinunter, ist einfach nur surreal. Aber ich hoffe einfach, dass wir es als Bevölkerung schaffen, zusammenzuhalten und daran zu glauben, dass das nicht noch einmal passieren wird."

Jose Badillo Vázquez, Uni-Mitarbeiter

"Als die ersten Whatsapp-Nachrichten kamen, konnte ich das alles noch gar nicht so richtig begreifen. Ich wohne zwar in Barcelona, aber mache gerade Urlaub in Andalusien. Die Nachricht, es habe einen Zwischenfall auf den Ramblas gegeben, hat mich erst einmal nicht groß überrascht. 'Etwas' passiert da ja ständig. Erst als mehrere Verwandte mich panisch angerufen haben und wissen wollten, ob ich schon wieder zurück in Barcelona sei, habe ich die Tragweite verstanden. Aber noch bevor ich richtig nachlesen konnte, was passiert ist, habe ich erst einmal all meinen Freunden geschrieben um mich zu vergewissern, dass es ihnen gut geht.

Es war ein komisches Gefühl, da so am Strand zu sitzen und so weit weg zu sein von allem, was da in meiner Stadt passiert. Morgen geht mein Flieger zurück nach Barcelona, und wenn ich daran denke, habe ich schon ein mulmiges Gefühl. Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, ob ich den Flug verfallen lassen soll. Aber gleichzeitig ärgere ich mich über mich selbst. Schließlich hat diese Art von Terrorismus genau das zum Ziel: Dass wir unsere Art zu leben verändern. Und genau deswegen werde ich fliegen: Ich will nicht zulassen, dass sie es schaffen, dass wir uns nirgendwo mehr sicher fühlen."

© SZ.de/wib/joku
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