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Nach dem Anschlag in Barcelona:"Ich wollte nur noch weinen"

Sagrada Familia Enters Final Construction Phase

Blick über Barcelona: Am Donnerstag wurde die Stadt Opfer eines Terroranschlags (Archivbild)

(Foto: Getty Images)
  • Den Terroranschlag in Barcelona haben die Menschen in der Stadt ganz unterschiedlich erlebt.
  • Sie waren zu Hause, in der Arbeit oder in einem Café in der Nähe, als der Lieferwagen auf der Flaniermeile Ramblas in die Menschenmenge raste.
  • Die SZ hat mit fünf Menschen in oder aus Barcelona gesprochen.

Protokolle von Vivien Timmler

Sara Mejias Segura, Studentin

"Ich mache seit Montag Urlaub in Barcelona. Meine Freundin und ich waren einen Kaffee trinken und wollten gerade in Richtung Ramblas aufbrechen, als ihre Mutter anrief und erzählte, dass es dort einen Unfall gegeben habe und die Zone abgesperrt sei. Dann sickerte langsam durch, dass das mehr war als ein harmloser Unfall.

Angst hatte ich zunächst nicht, ich war ein paar U-Bahn-Stationen entfernt, aber als die ersten Medien dann berichteten, der Mann sei geflohen und bewaffnet, wurde ich nervös. Wir sind dann zu unserem Auto gerannt, um so schnell wie möglich wegzukommen. Das Problem war nur, dass wir an den Ramblas vorbei mussten, um nach Hause zu kommen. Und da habe ich es dann richtig mit der Angst zu tun bekommen: Überall Polizei-Sirenen und Blaulicht, so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich wollte nur noch weinen. Ich konnte einfach nicht glauben, dass das, was ich so oft im Fernsehen gesehen hatte, plötzlich real sein sollte.

Später wurde mir klar, dass wir verdammt viel Glück hatten. Wäre der Anschlag nur eine halbe Stunde später gewesen oder hätten wir diesen verdammten Kaffee nicht getrunken, dann wäre vielleicht auch uns etwas Schreckliches passiert."

Fernando Peris Espino, Biochemiker

"Der 17. August ist der Geburtstag meiner Mutter. Wir saßen also alle zusammen in einem Restaurant und haben gefeiert, als plötzlich die Ersten von uns besorgte Nachrichten bekamen. Als wir im Internet nach Informationen gesucht haben, war alles noch sehr vage. Wir haben gehofft, dass alles nicht so schlimm ist und erst einmal weiter gegessen. Aber dann hat irgendwann jemand ein Radio angemacht und plötzlich war alles ganz real.

Ich habe mich machtlos gefühlt, hatte Angst, aber auch Wut. Ich konnte einfach nicht glauben, dass das wirklich passiert ist. Aber wenn ich ehrlich bin, dann habe ich seit dem Anschlag von Paris dieses mulmige Gefühl gehabt, dass so etwas auch Barcelona zustoßen würde. Die Angst ist einfach da, obwohl ich natürlich weiß, dass diese Menschen genau das wollen. Aber ich kann nichts dagegen tun.

Und ich darf gar nicht darüber nachdenken, was hätte passieren können, wenn nicht der Geburtstag meiner Mutter gewesen wäre. Mein Vater hatte sich extra frei genommen und ist nicht zur Arbeit gegangen. Sein Büro ist ganz in der Nähe des Anschlagortes, er nimmt jeden Tag um 17 Uhr die Bahn an den Ramblas nach Hause. Hätte er das heute auch getan - so weit will ich gar nicht denken."

Maria García Romero, Grafikdesignerin

"Eigentlich liebe ich meine Wohnung an der Plaça de Catalunya, direkt an den Ramblas, aber an diesem Tag habe ich sie verflucht. Ich war arbeiten, als der Anschlag passierte, also ein wenig außerhalb des Zentrums. Aber irgendwie musste ich ja nach Hause kommen. Ich nahm also erst einmal die Bahn ins Zentrum, das funktionierte soweit noch ganz gut, die Menschen waren auch recht entspannt.

An der Oberfläche der Stadt sah es da schon ganz anders aus. Ein Taxi zu bekommen war ein Kampf, alle wollten irgendwie nach Hause, es war laut und unübersichtlich. Als ich dann endlich im Auto saß und meine Adresse nannte, schaute mich der Taxifahrer nur ungläubig an. "Dahin fahre ich dich nicht", sagte er. Das sei zu gefährlich, außerdem sei alles voller Blaulicht und man käme eh nicht durch bis zur Plaça de Catalunya.

Ich bin also zu Fuß weitergegangen, aber als ich in eine Parallelstraße der Ramblas kam, war da längst alles abgeriegelt. Ich hatte keine andere Wahl, als wie Dutzende andere in ein Hotel an den Ramblas zu gehen und zu warten. Die Stimmung war okay, alle haben versucht, ihre Liebsten zu erreichen, aber Panik lag nicht in der Luft. Eine fremde Frau hat mir sogar angeboten, dass ich mich auf ihrem Zimmer ein wenig hinlegen oder zumindest duschen kann. Andere haben Essen aus einem benachbarten Supermarkt für uns gebracht. Zumindest allein habe ich mich nicht gefühlt. Gegen Mitternacht konnte ich endlich nach Hause."

"Die Ramblas sind als Ort prädestiniert für eine solch grausame Tat"

Alberto de la Iglesia Rodriguez, Doktorand

"Barcelona ist eine so multikulturelle Stadt, in der Menschen aus verschiedensten Kulturen ganz selbstverständlich aufgenommen werden und miteinander leben. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich einfach nicht damit gerechnet habe, dass ein solcher Anschlag ausgerechnet hier stattfinden würde.

Gleichzeitig muss ich sagen: Die Ramblas sind als Ort prädestiniert für eine solch grausame Tat. Da können unsere Anti-Terror-Vorkehrungen noch so gut sein. Jeder, der es darauf anlegt, kann mit dem Auto in die Fußgängerzone fahren und vielen Menschen Schaden zufügen. Wirklich sicher vor Anschlägen konnte man sich da nie fühlen. Trotzdem habe ich nie mit Furcht darüber nachgedacht, sondern eher im Bewusstsein, dass das in einer der größten Städte Spaniens eben passieren kann. Erst recht an Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten.

Ich selbst war zum Zeitpunkt des Anschlags zu Hause, aber mein Herz hat gepocht, als wäre ich irgendwo mitten im Geschehen. Gleichzeitig war ich wie versteinert, weil ich das alles gar nicht begreifen konnte. Zu realisieren, dass das gerade nicht Tausende Kilometer von dir entfernt passiert, sondern 20 Minuten die Straße hinunter, ist einfach nur surreal. Aber ich hoffe einfach, dass wir es als Bevölkerung schaffen, zusammenzuhalten und daran zu glauben, dass das nicht noch einmal passieren wird."

Jose Badillo Vázquez, Uni-Mitarbeiter

"Als die ersten Whatsapp-Nachrichten kamen, konnte ich das alles noch gar nicht so richtig begreifen. Ich wohne zwar in Barcelona, aber mache gerade Urlaub in Andalusien. Die Nachricht, es habe einen Zwischenfall auf den Ramblas gegeben, hat mich erst einmal nicht groß überrascht. 'Etwas' passiert da ja ständig. Erst als mehrere Verwandte mich panisch angerufen haben und wissen wollten, ob ich schon wieder zurück in Barcelona sei, habe ich die Tragweite verstanden. Aber noch bevor ich richtig nachlesen konnte, was passiert ist, habe ich erst einmal all meinen Freunden geschrieben um mich zu vergewissern, dass es ihnen gut geht.

Es war ein komisches Gefühl, da so am Strand zu sitzen und so weit weg zu sein von allem, was da in meiner Stadt passiert. Morgen geht mein Flieger zurück nach Barcelona, und wenn ich daran denke, habe ich schon ein mulmiges Gefühl. Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, ob ich den Flug verfallen lassen soll. Aber gleichzeitig ärgere ich mich über mich selbst. Schließlich hat diese Art von Terrorismus genau das zum Ziel: Dass wir unsere Art zu leben verändern. Und genau deswegen werde ich fliegen: Ich will nicht zulassen, dass sie es schaffen, dass wir uns nirgendwo mehr sicher fühlen."

© SZ.de/wib/joku
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