Süddeutsche Zeitung

Bluttat bei Batman-Premiere:Amokläufer hatte 30 Granaten in seiner Wohnung

Genug Sprengstoff, um das ganze Stockwerk in die Luft zu jagen: Der mutmaßliche Amokläufer von Aurora soll in seinem Apartment mehr als 30 selbstgebaute Granaten und 40 Liter Treibstoff gelagert haben. Die Sprengfallen waren zudem verdrahtet und mit einem zentralen Auslöser versehen - das FBI hat nun die Untersuchung übernommen.

Was hatte James Holmes noch alles geplant? Nach dem Amoklauf des 24-Jährigen bei einer Kino-Premiere des neuen Batman-Films kommen immer neue Einzelheiten an Licht. So soll er in seinem Apartment mehr als 30 selbstgebaute Granaten und Behälter mit insgesamt fast 40 Litern Treibstoff gelagert haben. Das berichtetet der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Polizeikreise.

Bei einer Explosion wäre wohl das ganze Stockwerk zerstört worden, mutmaßte ein Behördenvertreter im Gespräch mit dem TV-Sender. "Die Feuerwehr hätte bei ihrem Eintreffen ein Gebäude vorgefunden, dass vollständig in Flammen gestanden hätte."

Die Granaten waren demnach über Drähte mit einem Schaltkasten in der Küche verbunden. Sprengstoffexperten hätten den Zündmechanismus jedoch mit Hilfe eines ferngesteuerten Roboters ausschalten können. Die Box sei mittlerweile zur Untersuchung an Experten des FBI geschickt worden.

Schon Tage zuvor hatte die Polizei Geschosse aus der Wohnung des Amokläufers entdeckt. Ein Sprengsatz sei mit einer Wasserkanone unschädlich gemacht worden, sagte ein Mitarbeiter der Sicherheitskräfte. Die tödlichen Fallen seien installiert worden, um "jeden umzubringen, der versucht hätte, in die Wohnung zu gehen".

Holmes soll in der Nacht zu Freitag etwa eine halbe Stunde nach Beginn der Film-Premiere den Kinosaal 9 des Multiplex-Cinemas in Aurora nahe Denver betreten und offenbar zunächst eine Rauchbombe gezündet haben. Dann eröffnete der Mann das Feuer, schoss in den fast vollbesetzten Saal. Zwölf Menschen kamen bei dem Amoklauf ums Leben, 58 weitere wurden verletzt.

Das Motiv des Schützen war zunächst unklar. Im Falle einer Verurteilung könnte ihm die Todesstrafe drohen. Bei einem ersten Gerichtstermin am Montag schwieg Holmes, nach Polizeiangaben zeigte er sich auch in den Verhören unkooperativ.

"Erhöhte Wachsamkeit" in deutschen Kinos

In Deutschland, wo Batman - The Dark Knights Rises in der Nacht zum Mittwoch Premiere feiert, sind die Sicherheitsvorkehrungen teilweise erhöht worden. Die Kinogruppe UCI beispielsweise will die Vorführungen "mit erhöhter Wachsamkeit" begleiten, sagte ein Sprecher. So würden unter anderem die Kontrollen am Eingang intensiviert.

In der Stadt Sierra Vista im US-Staat Arizona kam es bei der Vorführung des Films zu einem kleineren Zwischenfall: Ein betrunkener 27-Jähriger versetzte einige Zuschauer des Kinos in Panik, mehr als 50 Menschen flüchteten aus dem Kino, wie das Sheriff-Büro im Bezirk Cochise County mitteilte.

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Süddeutsche.de/AFP/dpa/vks
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