Nach Belästigungsvorwürfen Schottischer Erzbischof O'Brien tritt zurück

Er sollte der einzige Brite im Konklave sein: Doch nun ist der Erzbischof von Saint Andrews und Edinburgh, Kardinal Keith O'Brien, zurückgetreten. Es kamen Vorwürfe "unangemessenen Verhaltens" gegenüber Glaubensbrüdern auf.

Der oberste Katholik in Großbritannien, Kardinal Keith O'Brien, ist nach Vorwürfen "unangemessenen Verhaltens" gegenüber jungen Priestern als Erzbischof von Saint Andrews und Edinburgh zurückgetreten. Das teilte die katholische Kirche in Schottland mit.

Papst Benedikt XVI. habe das Rücktrittsgesuch bereits am 18. Februar angenommen, hieß es in der Mitteilung, die auf Berichte über Vorfälle in den 1980er Jahren folgt.

Auch bei der anstehenden Wahl des neuen Papstes wird O'Brien nicht dabei sein. "Ich werde nicht an dem Konklave teilnehmen, da ich nicht will, dass die Aufmerksamkeit der Medien in Rom auf mich gerichtet ist und nicht auf Papst Benedikt XVI. und seinen Nachfolger", sagte O'Brien der BBC.

Am Sonntag waren die Vorwürfe gegen O'Brien laut geworden. Drei Priester seiner schottischen Diözese und ein ehemaliger Priester hatten sich an den Vatikan gewandt.

Wie der britische Observer berichtete, beschuldigt ein ehemaliger Seminarist am St. Andrew's College O'Brien, sich ihm nach einem Nachtgebet unangemessen genähert zu haben. O'Brien war zu dieser Zeit spiritual director an dem College. Ein anderer Priester berichtet von einem Fall, als er Besuch von O'Brien in seiner Pfarrei gehabt habe. Dabei soll es zu unangemessenem Kontakt zwischen den beiden gekommen sein.

Ein dritter Mann, als "Priester B" beschrieben, berichtet von einem Kennenlernwochenende zu Beginn seiner Tätigkeit als Geistlicher. Wie der Observer schreibt, beschuldigt der Mann O'Brien, dass dieser sich ihm gegenüber bei dem Besuch nach nächtlichem Trinken unerwünscht verhalten haben soll. Wie genau das Fehlverhalten in den Fällen ausgesehen haben soll, ist unklar.

O'Brien, der sich am Wochenende dafür ausgesprochen hatte, das Zölibat aufzuheben, vertritt in Fragen der Rechte von Homosexuellen restriktive Positionen. 2012 bezeichnete er gleichgeschlechtliche Ehen als moralisch so verwerflich wie Sklaverei und nannte die Reform des Eherechts "Wahnsinn". Homosexuellen-Organisationen verliehen ihm daraufhin den Titel "Bigot of the year".