Nach Absturz in der Schweiz "Tante Ju" soll wieder fliegen

  • Vor mehr als einer Woche ist in den Schweizer Alpen eine Junkers Ju 52 abgestürzt, alle 20 Insassen kamen dabei ums Leben.
  • Die Ursache für den Absturz ist noch unklar.
  • Die Airline, die die Flüge mit der historischen Maschine für Touristen anbietet, will den Betrieb nun dennoch wieder aufnehmen.
Von Charlotte Theile, Zürich

Eine Woche ist her, dass das Oldtimer-Flugzeug Ju 52 am Piz Segnas in den Bündner Bergen abstürzte. 17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder starben bei dem Unglück. Seither rätseln die Ermittler in Graubünden und Aviatik-Experten in der ganzen Schweiz, was die beliebte Maschine aus dem Jahre 1939 vom Kurs abkommen ließ.

Die in Zürich erscheinende Boulevardzeitung Blick etwa testete in dieser Woche sämtliche Thesen durch - von zu wenig Sprit im Tank bis zu riskanten Flugmanövern der Piloten. Dabei stellten sich die meisten Überlegungen als wenig wahrscheinlich heraus: An der Absturzstelle, einem Wandergebiet auf 2540 Meter Höhe, roch es nach dem Unglück stark nach Benzin. Es wäre also vermutlich genug Treibstoff an Bord gewesen, um die Reise, die um kurz nach 16 Uhr im Tessin begonnen worden war, zum Flughafen Dübendorf bei Zürich fortzusetzen. Auch riskante Flugmanöver zur Belustigung der Passagiere dürften als Ursache für den Crash wohl ausscheiden: Beide Piloten waren mehr als 60 Jahre alt, hatten jahrzehntelange Erfahrung und galten als ruhige Steuermänner.

Für wahrscheinlicher halten Luftfahrtexperten ein anderes Szenario: ein Strömungsabriss, der an heißen Tagen wie dem vergangenen Samstag durchaus auftreten kann. Für ein tief fliegendes Flugzeug wie die alte "Tante Ju" kann er zur existenziellen Gefahr werden.

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Die Ermittler in Chur haben sich von Beginn an auf eine längere Untersuchung eingestellt. Anders als moderne Flugzeuge verfügte die Oldtimermaschine über keine Blackbox. Es ist daher wie bei einem Kriminalfall: Die Ermittler befragen Augenzeugen, werten die Smartphones der Verstorbenen aus und versuchen, aus den Wrackteilen am Berg so viele Informationen wie nur möglich zu gewinnen. Inzwischen geschieht das unter Laborbedingungen. Die Unglücksstelle wurde vier Tage nach dem Absturz bereits vollständig geräumt - die Überreste der historischen Ju 52 wurden per Helikopter abtransportiert.

Während Ermittler und Angehörige noch versuchen zu verstehen, was auf dem kurzen Flug von Locarno nach Dübendorf - die übliche Flugzeit beträgt 50 Minuten - schiefgegangen ist, hat die Airline Mitte der Woche bei vielen Schweizern Unverständnis und Ärger ausgelöst. Schon am 17. August, keine zwei Wochen nach dem Unglück, will die Ju-Air, die derzeit noch über zwei flugtüchtige Oldtimermaschinen verfügt, ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Der erste Flug nach dem Unglück soll die Passagiere nach Bensheim bei Frankfurt am Main führen. Ju-Air-Sprecher Christian Gartmann sagte, es gebe keine technischen Gründe, die gegen Flüge mit den etwa 80 Jahre alten Maschinen sprächen. Passagiere, die ihre Buchung zurückziehen oder abwarten wollen, bis die Absturzursache geklärt ist, könnten aber mit Kulanz rechnen. Gartmann betont, dass auch die kleine, familiäre Ju-Air Zeit zum Trauern brauche - und nicht alle die schnelle Wiederaufnahme des Flugbetriebs gut fänden. "Das ist sehr individuell, jeder Mensch empfindet anders."

Einig sei man sich jedoch, dass man sich nicht vom Oldtimer-Fliegen abbringen lassen wolle. Im Gegenteil. Eine derzeit ausgemusterte Ju 52 soll sogar wieder flugtüchtig gemacht werden. Wie das bei den Passagieren ankommt? Überraschenderweise ziemlich gut. Die Flüge mit der alten "Tante Ju" sind ab kommendem Freitag wieder ausgebucht.

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