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Mysteriöser Mordfall in Norwegen:"Sie fühlte sich in ihrem Job gemobbt"

Mordprozess um tote Deutsche in Fjord

Staatsanwalt Tormod Haugnes (rechts) und Strafverteidiger Orjan Eskeland (links) vor Beginn des Prozesses im Gerichtssaal im norwegischen Sandnes.

(Foto: dpa)
  • Ein 34-jähriger Deutscher steht in Norwegen vor Gericht: Er soll seine Frau erwürgt und ihre Leiche in einem Fjord versenkt haben.
  • Die Anklage vermutet Eifersucht als Motiv. Der Angeklagte streitet das ab. Seine Frau habe selbst sterben wollen, lautet seine Theorie.

Prozess gegen 34-Jährigen beginnt

Die Geschichte klingt wie der Stoff für einen düsteren, skandinavischen Krimi: Ein deutscher Auswanderer ermordet seine Frau und versenkt ihre Leiche in einem Fjord. Nun steht der 34-Jährige in Norwegen vor Gericht. Dem Angeklagten drohen 21 Jahre Haft.

Er gibt den Mord an seiner Frau zu, erklärt aber auch: Die 36-Jährige habe selbst sterben wollen. Seine Frau sei depressiv gewesen, habe schon zuvor versucht, sich das Leben zu nehmen, erzählte der Ehemann vor Gericht. "Sie fühlte sich in ihrem Job gemobbt." Ihr Verschwinden hätten die beiden Monate vorher gemeinsam geplant, wenn auch nicht für diesen Tag.

Anklage zweifelt an Version des Deutschen

Die Anklage hält die Version der Geschichte des 34-Jährigen nicht für glaubwürdig: Sie geht von einem Mord aus Eifersucht aus.

Die 36 Jahre alte Frisörin habe sich scheiden lassen wollen, nachdem sie im Internet einen anderen Mann kennengelernt habe, sagte Staatsanwalt Tormod Haugnes. "Sie hatten Pläne, sich zu treffen und zusammenzuziehen."

Ihr Ehemann habe das mitbekommen und die E-Mails seiner Frau überwacht. Später habe der 34-Jährige im Internet Dinge wie "Wie versenke ich eine Leiche?" gegoogelt.

20 Zeugen sollen vor Gericht aussagen

Der Internetfreund der Deutschen ist einer von 20 Zeugen, die im Laufe der Woche Licht in das Dunkel um den mysteriösen Mord am Fjord bringen sollen. Darunter sind auch Familienmitglieder, Polizisten und fünf Kolleginnen der 36-Jährigen, die ebenfalls von Eheproblemen erzählen.

"Sie hatte sich entschieden, die Kinder mitzunehmen und nach Sandnes zu ziehen", sagte ihre frühere Chefin Sissel Vikse Falch dem Sender TV2. Das Paar habe sich auseinandergelebt, seit es vor fünf Jahren aus der Nähe von Hamburg nach Norwegen ausgewandert sei. Die beiden hätten längst kein Bett mehr geteilt. "Das war, weil ich zu viel geschnarcht habe", sagte der Angeklagte.

Ihre Kollegin Vikse Falch ist eine der letzten, die die Deutsche vor ihrem Verschwinden gesehen hat. Am Montag vor Ostern, im Friseursalon. Da wirkte die 36-Jährige nicht, als wünsche sie sich den Tod, erzählte ihre Chefin. Im Gegenteil: "Sie strahlte."

Der Mordfall

Die 36-Jährige war kurz vor Ostern spurlos in der norwegischen Einöde verschwunden. Ihr Ehemann meldete sie als vermisst. Wochenlang drehte die Polizei jeden Stein in der Gegend um Forsand bei Stavanger im Süden des Landes um, wo die Frau an einem Anleger gesehen worden sein soll.

Dann entdeckten Taucher ihre Leiche in blauen Plastikplanen verpackt. In 70 Metern Tiefe auf dem Grund des Lysefjord. Versenkt von ihrem eigenen Mann, wie er gesteht. Die Obduktion ergibt, dass die zweifache Mutter vergewaltigt und erwürgt wurde.

Der Deutsche soll seiner Frau im Haus der Familie einen Strick um den Hals gelegt und zugezogen haben, während die sieben und elf Jahre alten Kinder schlafend in ihren Betten lagen. Zuvor soll er die Frau zum Sex gezwungen haben. Diesen Vorwurf streitet der 34-Jährige ab.

© dpa/frdu/dayk

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