Mutter Teresas Zweifel:"In mir ist kein Gott"

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Dass Glaube oft nur als Glaubenszweifel zu haben ist, erfuhren viele christliche Mystiker. Zwei von ihnen galt Teresas besonderes Interesse, dem Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und der heiligen Theresia von Lisieux, nach der sie sich benannte. Die Nonne, die 1897 im Alter von 24 Jahren qualvoll an Tuberkulose starb, hinterließ mit der "Geschichte einer Seele" ein ebenfalls stark leidensmystisch geprägtes Werk.

Von Mutter Teresa hätte Theresias Satz stammen können, "das Leiden, das wir mit Christus gemein haben, ist ein wunderbares Geschenk". Der spanische Karmelitermönch hingegen verfasste um 1580 das Meditationsbuch "Die dunkle Nacht". Über seine Schriften äußerte Mutter Teresa, dass sie "mir Hunger machen nach Gott. Und dann werde ich mit diesem furchtbaren Gefühl konfrontiert, von Ihm ungewollt zu sein".

"Kein Glaube, keine Liebe, kein Eifer"

Zu den Konstanten ihres Dramas gehört das Gefühl der Ablehnung durch jene Instanz, nach der sie sich am meisten sehnt: Gott. Bischof Périer vertraut sie an: "In meiner Seele herrscht ein so großer Widerspruch. Ein so tiefes Verlangen nach Gott, so tief, dass es wehtut, ein fortwährendes Leiden - und trotzdem nicht gewollt von Gott, abgewiesen, leer, kein Glaube, keine Liebe, kein Eifer."

Von dieser Erfahrung führt ein direkter Weg zu ihrem Christusbild und zu ihrem rigiden Kampf gegen Abtreibung. In den ungeborenen Kindern sah sie das Muster einer ungewollten Existenz, wie sie selbst eine zu sein befürchtete. Bei der Nobelpreisrede warb sie darum, "jedes einzelne geborene oder ungeborene Kind zu einem gewollten" zu machen.

Auch Jesus habe sich am Kreuz als ungewollt erfahren, ungewollt von Gott wie sie: "Mein Vater, warum hast du mich verlassen?" Diese Worte Jesu waren, so meint Teresa, "Ausdruck der Tiefe Seiner Einsamkeit".

Im Alter wird sie ausgeglichener, doch die Zweifel bestehen fort. UN-Generalsekretär Perez de Cuellar nennt sie 1985 die "mächtigste Frau der Welt". Im selben Jahr sagt sie zu ihrem neuen Beichtvater, dem belgischen Jesuiten Albert Huart: "Wenn ich meinen Mund aufmache, um zu den Schwestern und den Menschen von Gott und Gottes Werk zu sprechen, gibt es ihnen Licht, Freude und Mut. Doch ich selbst bekomme nichts davon. In mir ist alles dunkel und ein Gefühl, dass ich von Gott total abgeschnitten bin." Noch die 85-jährige Teresa sagt, sie freue sich, "die Leere, die ich empfinde, Ihm aufopfern zu können".

Am klarsten formulierte sie das Paradox ihres Glaubens, das wohl das Paradox eines jeden radikalen Glaubens ist, vor 50 Jahren. Sie finde keine Worte, "um die Abgründe meiner Dunkelheit mitzuteilen". Sie liebe aber Gott nun einmal "nicht für das, was Er gibt, sondern für das, was Er nimmt".

Vor diesem Hintergrund war das stete Lächeln ein Versuch, Gott zu geben, was sie selbst gerne empfangen hätte: Anwesenheit, Anteilnahme, Freude. Brian Kolodiejchuk gelangt zum Urteil, Teresa habe jenen Glauben gelebt, den sie als verloren empfand. Nur so habe sie ihre "eher sühnende als reinigende Dunkelheit" ertragen.

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