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Mutmaßlicher Sexualstraftäter:Protest im Vorgarten

Der Aufruf kam per Rund-SMS: 200 aufgebrachte Bürger haben in einem Ort in Mecklenburg-Vorpommern das Haus eines mutmaßlichen Sexualstraftäters belagert. Unter den Protestierenden waren auch NPD-Mitglieder.

Etwa 200 aufgebrachte Menschen haben am Dienstagabend in Gadebusch in Nordwestmecklenburg drei Stunden lang das Wohnhaus eines mutmaßlichen Sexualstraftäters belagert. Sie hätten lautstark gefordert, dass der Mann aus dem Ort wegzieht, berichtete die Polizei am Mittwoch. Gegen den 22-Jährigen laufen Ermittlungen, weil er drei Mädchen im Alter von acht bis zehn Jahren pornographische Filme gezeigt haben soll.

Protest-Plakat, ddp

2008 machten aufgebrachte Bürger im brandenburgischen Joachimsthal ihrem Unmut über einen verurteilten Sexualstraftäter in ihrer Nachbarschaft Luft. Dieser hatte sich nach seiner Haftentlassung dort niedergelassen.

(Foto: Foto: ddp)

Ein Haftbefehl wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. So dürfe der Mann keinen Kontakt zu den Kindern haben und müsse sich regelmäßig bei der Polizei melden.

NPD-Mitglieder unter den Protestierenden

In der Kleinstadt war dieses Vorgehen der Behörden auf Unverständnis gestoßen. "Zu der Protestaktion wurde mit einer Rund-SMS aufgerufen", berichtete Polizeisprecher Klaus Wiechmann.

Zum Zeitpunkt der Protestaktion war der mutmaßliche Sexualstraftäter nach Angaben des Polizeisprechers nicht zuhause. Etwa 40 Beamte waren im Einsatz, um eine Eskalation zu verhindern. Einige Demonstranten hätten in das Haus eindringen wollen, berichtete die Polizei. Unter den Protestierenden seien auch NPD-Mitglieder gewesen.

Gegen mutmaßliche oder verurteilte Sexualstraftäter hat es schon häufiger Proteste von Bürgern gegeben. Anfang des Jahres demonstrierten Bürger im nordrhein-westfälischen Heinsberg tagelang gegen einen aus der Haft entlassenen Vergewaltiger. Damals hatte der CDU-Landrat die Einwohner vor dem Mann gewarnt.

2008 war ein Serienvergewaltiger nach 22 Jahren verbüßter Haft zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hin- und hergeschoben worden, weil ihn keiner haben wollte. "Warum hetzt man mich wie ein Tier? Ich will Ruhe und Hilfe, ich bin kein Abfall", hatte der Mann damals in einer persönlichen Erklärung geschrieben.

© dpa/jobr
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