Musik und ihre Wirkung:Der Song zur Wut

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Musik und ihre Wirkung: Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Gegen cholerische Zustände hilft, zumindest im Fall von Donald Trump: Katzenmusik

Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Gegen cholerische Zustände hilft, zumindest im Fall von Donald Trump: Katzenmusik

(Foto: Gerald Herbert/AP)

Musik hat eine beruhigende Wirkung. Offenbar beschäftigte Donald Trump deshalb während seiner Amtszeit sogar einen "Music Man". Eine gute Idee, nicht nur für ehemalige US-Präsidenten.

Von Violetta Simon

Ein Lied kann eine Brücke sein - das sang schon Joy Fleming 1975. Lieder können mitunter heilen, haben Forscher herausgefunden, können Krankheiten lindern. Und manchmal offenbar sogar Wut in Schach halten.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Donald Trump sich während seiner Amtszeit als Choleriker erwies. Seine ehemalige Pressesprecherin Stephanie Grisham hat in ihrem neuen Buch "I'll Take Your Questions Now" ("Sie können mir jetzt Fragen stellen") einige dieser "furchterregenden" Wutausbrüche beschrieben. Demnach soll Trump zum Beispiel mehrmals seinen damaligen Rechtsberater Pat Cipollone angeschrien haben, weil dieser seine Pläne als "unethisch oder illegal" zurückgewiesen habe.

In solchen Situationen habe man dann meist einen Mitarbeiter namens Max Miller gerufen, der dem Präsidenten bestimmte Songs und Show-Melodien vorspielen sollte, so steht es in einem Bericht der New York Times über das Buch. Der "Music Man", wie Kollegen ihn nannten, hatte die Aufgabe, den cholerischen Chef damit zu beruhigen, wenn sich ein Unwetter zusammenbraute. Ein Lied soll Trump der Autorin zufolge als besonders entspannend empfunden haben: "Memory" aus dem Musical "Cats".

Song-Tipp für Elon Musk: Reif für die Insel

Wer auf die Idee kam, ist unklar. Fest steht: Sie war gut. Wer weiß, was der Welt dadurch erspart geblieben ist, weil der "Music Man" für Trump die Katzenmusik erklingen ließ, wenn der mal wieder vor einem Ausraster stand. Und wer weiß, wozu der Präsident sich verstiegen hätte, wenn seine Wahlkampfveranstaltungen nicht mit besänftigenden Cats-Song untermalt worden wären - auch wenn Komponist Andrew Lloyd Webber und Sängerin Betty Buckley sich das lieber erspart hätten, wie US-Medien berichten.

Ach, man kennt so viele Situationen, in denen es einen passenden Beruhigungssong gebraucht hätte. Zum Beispiel für Tesla-Chef Elon Musk. Der habe, so schrieb es einst der "Wall Street Journal"-Journalist Tim Higgins, im Jahr 2016 einmal sein Führungsteam angebrüllt: "Ich könnte auch auf meiner eigenen Insel Mai Tais mit nackten Supermodels trinken!" Stattdessen arbeite er sich den Arsch ab. Der gute hätte mal lieber Peter Cornelius hören sollen, der singt: "Ich bin reif für die Insel".

Die britische Schauspielerin Helen Mirren verlor die Nerven einmal während einer Theater-Aufführung von "The Audience". Wie der Guardian berichtete, stürmte die Oscarpreisträgerin damals, als Queen verkleidet, von der Bühne auf die Straße. Dort schnauzte sie eine Gruppe von Trommlern an, deren Rhythmen die Aufführung störten. Was, wenn die Tontechniker in dem Moment "Jungle Drum" von Emilíana Torrini eingespielt hätten? Gute Laune hätte die Zuschauer erfasst, alle wären erleichtert gewesen, dass man nicht den Bongo-Song gewählt hatte, und Mirren hätte ein wenig Luft holen können.

Auch Francesca Cuzzoni hätte sich 1722 bei den Proben zur Oper "Ottone" viel Ärger mit Georg Friedrich Händel erspart: Hätte die Operndiva gleich die Arie "Falsa imagine" gesungen, statt sich zu weigern, hätte sie der bekanntermaßen cholerische Komponist nicht erst aus dem Fenster der zweiten Etage halten müssen, um sie zu überzeugen.

Songtipp für die Ampelkoalition: I see your true colors

Hiermit sei allen Wutbürgern empfohlen, einfach mal den Tobsuchtsanfall auszubremsen und sich hingebungsvoll in das metallische ACDC-Gitarrensolo von "Hells Bells" zu versenken. Oder für Menschen mit Liebeskummer: Lieber drauf pfeifen und "I Couldn't Care Less" von Leslie Clio, "Ok" von Farin Urlaub oder den Klassiker "I Will Survive" von Gloria Gaynor aufdrehen.

Wenn also ein Lied eine Brücke sein kann, dann sollten auch die SPD, die Grünen und die FDP zu ihren Sondierungsgesprächen den passenden Sound wählen. Die Redaktion empfiehlt an dieser Stelle für die Ampelkoalitionssondierungen Cyndi Laupers Song "I see your true colors ... and that's why I love you".

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