Verpasste ChancenKünstlerpech

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In bester Gesellschaft: Nigel (links) in der ersten Folge der „Muppet Show“ mit Sam the Eagle und Sergeant Floyd Pepper (rechts).
In bester Gesellschaft: Nigel (links) in der ersten Folge der „Muppet Show“ mit Sam the Eagle und Sergeant Floyd Pepper (rechts). imago images/Everett Collection

Vor 50 Jahren startete eine dröge Handpuppe namens Nigel als Host der „Muppet Show“. Schon bald aber musste er einem Frosch weichen. Über die Kunst des würdevollen Abschieds.

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Für Nigel ist die Sache damals ziemlich blöd gelaufen. Ursprünglich hatte ihm sein Team ja noch die Führungsrolle zugetraut. Doch dann ist alles geplatzt. Degradierung, Abkanzelung, nicht einmal öffentlich äußern sollte er sich mehr. Und von da an waren es eben die anderen, die sich statt seiner in den Vordergrund drängten.

Nigel, eigentlich ein total netter Typ in Arbeitskittel und mit hoher Stirn, moderierte vor 50 Jahren, im März 1975, beim US-amerikanischen TV-Sender ABC die Pilotfolge der später sehr erfolgreichen Fernsehreihe „Die Muppet Show“. Doch die Macher – das Puppenspielerteam rund um Sesamstraßen-Erfinder Jim Henson – fanden Nigel langweilig und dröge, ein aus anderen Sendungen bereits bekannter Frosch, Kermit, übernahm dann seine Position als Host der Sendung. Und Nigel? Fristete in den kommenden 120 Folgen der Reihe ein überaus trauriges Dasein als stummer Dirigent im Orchestergraben.

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Und erinnert sich noch jemand an den einst aufstrebenden Schauspieler Jeffrey Hunter? Der verkörperte – ebenfalls in einer sogenannten Pilotfolge – den Kapitän des Raumschiffs Enterprise (im Original: „Star Trek“). Doch Hunter wollte sich auf die Rolle nicht festlegen, er plante, woanders noch größer rauszukommen. Drum wurde aus Captain Pike bald Captain Kirk – sein Kollege William Shatner übernahm den Commander-Sessel. Könnte schon sein, dass Jeffrey Hunter seine Entscheidung irgendwann bereut hat, denn danach war er nur noch in sehr schlechten europäischen Western zu sehen. Dazu befragen aber kann man ihn nicht mehr, denn bei Proben für Kampfszenen zog er sich im Jahr 1969 einen Schädelbruch zu und starb mit 42 Jahren.

Es kann eben immer so oder so laufen im Leben. Mal gehört man zu den Gewinnern, dann zu den Verlierern. Künstlerpech, so sagt man ja. Was zum Beispiel wäre gewesen, wenn Piratenkapitän Jack Sparrow statt mit Johnny Depp mit Jim Carrey besetzt worden wäre, der damals vertraglich verhindert war? In Sachen „Indiana Jones“ wiederum war ursprünglich Tom Selleck vorgesehen, aber der konnte auch nicht, und Tim Burton wollte für seine Horrorfigur Beetlejuice ursprünglich den Rat-Pack-Sänger Sammy Davis Jr. engagieren, aber das wollten die Produzenten nicht. Als Harry Potter indes war der damals zwölfjährige Haley Joel Osment aus „The Sixth Sense“ im Gespräch. Doch J. K. Rowling mochte einen britischen Jungen für die Figur.

Das Leben, manchmal ist es wirklich ungerecht. Nach seiner Absetzung aus der „Muppet Show“ haben sie dann übrigens noch versucht, Nigel zu rehabilitieren. In Folge 123 wird er kurz dafür gelobt, angeblich den Titelsong komponiert zu haben. Aber das wirkte dann schon sehr bemüht. Ungefähr so, als würde man einem verdienten aber lästigen Parteimitglied zum Schluss noch einen Orden oder eine Urkunde hinterherwerfen. Weil man das halt so macht. Dabei darf man gar nicht drum herum reden: Abschiede tun immer weh. Und doch sollte man die Hoffnung niemals aufgeben. Es geht ja immer weiter. Anders halt. Hoffentlich besser.

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