Münzraub im Bode-Museum Sicherheitslücken im Museum

Der Gerichtsprozess um die gestohlene Goldmünze startete vergangene Woche im Landgericht in Berlin.

(Foto: Fabrizio Bensch/Reuters)
  • Seit vergangener Woche stehen vier Männer wegen des Diebstahls einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum vor Gericht.
  • Der Prozess offenbart eklatante Sicherheitslücken in dem Museum.
Von Verena Mayer, Berlin

Der Mann in Schwarz schnauft, als er den Gerichtssaal betrifft. Das ist nicht verwunderlich, denn Lothar G. ist als stellvertretender Leiter für die Sicherheit der Staatlichen Museen zu Berlin zuständig, unter anderem für das Bode-Museum, aus dem im März 2017 die hundert Kilogramm schwere Goldmünze "Big Maple Leaf" verschwand.

Vier Männer stehen deswegen seit vergangener Woche vor dem Berliner Landgericht, sie sollen die Goldplatte gestohlen und eingeschmolzen haben. Seit der Tat weiß man viel über den Weg, den die mutmaßlichen Diebe zurücklegten, vom Gleisbett eines S-Bahnhofs durch ein Fenster in einen Umkleideraum im Museum, und von dort in den zweiten Stock zur Münze. Doch eine Frage ist bis heute offen: Wie kommen Leute unbemerkt in ein Museum und mit einer Münze, groß wie ein Autoreifen, heraus?

Diese Frage soll G. am Montag beantworten, seit 1982 steht er im Dienst der Museen. Er erzählt erst über die Sicherheitsvorkehrungen, die Alarmanlage, die Türen mit Riegeln, die der Sicherheitszentrale anzeigten, ob sie offen oder geschlossen waren, über das Wachpersonal und die Durchbruchsmelder an den Fenstern. "Da soll es Besonderheiten gegeben haben?", fragt die Richterin. G. nickt.

Denn das Fenster, durch das die Diebe einstiegen, war nicht gesichert, schon seit 2014 nicht, "es hat ständig Alarm ausgelöst, deswegen war es oft über mehrere Tage deaktiviert". Die Klappe war zudem gerne mal nachts angekippt, zum Lüften. Und Tage vor dem Diebstahl der Münze wurde Lothar G. bereits gemeldet, dass jemand versucht hatte, das Glas einzuschlagen. Angesehen hat er sich das Fenster aber erst drei Tage später. Auch mit dem Wachmann, der in jener Nacht seinen Rundgang machte, hatten die Diebe offenbar Glück. Es war sein erster oder zweiter Nachtdienst im Bode-Museum.

Zu sehen gab es für ihn dabei einiges: die Türen etwa, die er gerade verriegelt hatte, standen plötzlich offen. Und darunter waren Keile, damit die Diebe ein Rollbrett mit der Münze durchschieben konnten. Bemerkt hat der Wachmann davon nichts. Ob der Wachmann später etwas darüber gesagt habe, fragt die Richterin. Es sei ihm "schon spanisch vorgekommen", sagt Lothar G. "Aber er konnte es nicht einordnen." Auch sein erster Gedanke am nächsten Morgen sei gewesen: "Das geht doch gar nicht." Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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