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Müll:Manche Städte nehmen Hunde-DNA

Er habe einen Beutel produziert, der zu 50 Prozent aus Abfällen der Pommesproduktion hergestellt war. Doch: "Der war zu teuer, nur eine Stadt wollte ihn kaufen." Er reduzierte den Anteil pflanzlicher Stoffe auf 30 Prozent, der Rest ist erdölbasiert, liege jedoch in einer chemischen Struktur vor, die von Enzymen und Mikroorganismen abgebaut werden kann. Landet so eine Tüte samt Inhalt im Gebüsch, wird sie sich im Laufe der Zeit zersetzen.

Als einer der Ersten wurde Gerd Geerdes von der Stadtreinigung in Wilhelmshaven auf die neuen Beutel aufmerksam. Die Stadt am Wattenmeer wollte etwas tun gegen herumliegende Plastiksäckchen: "Man weiß ja, wie schädlich Plastik gerade in den Meeren ist", erklärt Geerdes, weshalb die Politiker den Mehrkosten für die abbaubaren Biotüten zustimmten. Nun erhält Geerdes Anrufe von Kollegen anderer Städte und Gemeinden, die sich über das Modell informieren wollen: "Das finde ich in Ordnung, denn man muss sich ja gegenseitig helfen", sagt er.

Doch nur wenige Kommunen ringen sich bislang zur umweltverträglichen Lösung durch. Mit ungefähr einem Drittel Zusatzausgaben müssen sie rechnen, da käme etwa in München bei fast zehn Millionen Gassibeutel pro Jahr ein ordentlicher Betrag zustande. Den der Steuerzahler finanziert. Krämer argumentiert freilich, dass man die Folgekosten der Plastik-Verschmutzung mitrechnen müsse.

Egal ob Kot oder Kotbeutel, der ideale Umgang mit den Ausscheidungen des Hundes ist schwer zu finden. In Neapel, Málaga oder einigen Stadtvierteln Londons nehmen die Behörden DNA-Proben der Tiere, um die herumliegenden Haufen zuordnen und die Besitzer bestrafen zu können. Die Stadtreinigungsbetriebe der deutschen Hundehauptstadt Berlin (etwa 100 000 Halter) nutzen 13 sogenannte Hundekotbeseitigungsfahrzeuge, die die Haufen einfach wegsaugen. Außerdem ist es in Berlin inzwischen Pflicht für einen Hundeausführer, eine Tüte bei sich zu tragen, sonst droht eine Ordnungsstrafe.

Und dennoch bleiben die Hundekothaufen ein immerwährendes Problem. Da darf man schon mal träumen von einer Drohne, die die Stinkbomben einsammelt. Am besten sollte sie damit zum Mars fliegen.

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