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Müll in Neapel:Der Bürgermeister im Hungerstreik

Der Bürgermeister von Boscoreale ist in den Hungerstreik getreten. Der Druck auf allen Seiten ist groß, denn die vorhandenen Deponien werden voraussichtlich im Lauf des kommenden Jahres am Ende ihrer Kapazität angelangt sein.

Politisches Kompetenzgerangel ist ein Grund für das Müllchaos, und es gilt auch als sicher, dass die Camorra in dem lukrativen Drecks-Geschäft mitmischt. Roberto Saviano, der Camorra-Experte und Autor des Buches "Gomorrha", hat gerade darauf hingewiesen, dass der Müllnotstand im Kampanien 780 Millionen Euro im Jahr kostet; die Camorra verdiene daran mit und habe kein Interesse daran, dass sich die Zustände ändern. Saviano rechnet vor, dass der von der Camorra illegal behandelte Müll zusammengerechnet einen 15600 Meter hohen Berg ergeben würde mit einer Grundfläche von drei Hektar.

Hoffnung auf den 16. Dezember

Erst vor wenigen Wochen und nach langem Widerstand ist der Wirtschaftsstaatsekretär Nicola Cosentino von Berlusconis Partei PDL zurückgetreten. Gegen ihn ermitteln die Anti-Mafia-Behörden, weil er über Jahre der Camorra beim Zugang zum Müllgeschäft geholfen haben soll. Seine Partei hatte am Wochenende eine Veranstaltung im Castel Nuovo von Neapel. Genau vor der prächtigen Festung lag noch ein Abfallhaufen. Die fein angezogenen PDL-Leute mussten an dem Dreck vorbei, nachdem sie die Schlussansprache von Nicola Cosentino gehört hatten. Er ist noch immer PDL-Koordinator in Kampanien.

Das nächste Blutwunder wird in Neapel für den 16. Dezember erhofft, den Jahrestag des Vesuv-Ausbruchs von 1631. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass San Gennaros Blut auch dann wieder termingerecht flüssig wird. Dass er bis dahin auch ein Müllwunder bewirkt, ist sehr unwahrscheinlich.