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Moskau:Nächster Stopp Gleichberechtigung

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Eine Metrostation in Moskau: Auch U-Bahnfahrerinnen werden ab jetzt die Züge steuern können.

(Foto: Laci Perenyi/imago)

456 Berufe durften Russinnen bis vor Kurzem nicht ausüben. Jetzt wurde die Liste auf hundert reduziert - und U-Bahnen können nun auch von Frauen gesteuert werden.

Von Silke Bigalke

Normalerweise sind es drei galoppierende Pferde, die die Fahrgäste in Moskau an ihr Ziel bringen. Die Rösser zieren die blaue Plastik-Fahrkarte für Bus und U-Bahn, die Moskauer Troika-Karte. Seit Sonntag aber hat sie ein neues Design, zeigt nun Barbiepuppen statt Pferde, auf rosafarbenem Hintergrund anstatt auf blauem. Barbie als Ärztin, Barbie als Bauarbeiterin, als Köchin und eben als Metro-Zugführerin.

Die Moskauer Metro feiert damit eine kleine Revolution, denn U-Bahn-Fahrerinnen gibt es in Russland erst seit Anfang dieses Jahres wieder. Bisher durften Frauen keine Fahrgäste durch Moskaus Untergrund kutschieren. Doch nun verbreitet das staatliche Verkehrsunternehmen stolz Bilder seiner zwölf "Maschinistinnen" in blauer Uniform - Maschinist heißt in Russland der Lokführer.

Der Beruf war einer von insgesamt 456, die russischen Frauen bislang verboten waren. Die Regierung hat die Liste nun auf einhundert Tätigkeiten heruntergekürzt. Frauen dürfen neuerdings zwar Lastwagen, Traktoren und Schiffe steuern, Autos reparieren und Fallschirm springen. Doch Feuerwehrfrauen und Luftfahrtmechanikerinnen, Berufstaucherinnen und Schweißerinnen wird es in Russland weiterhin nicht geben, in bestimmten Jobs an Hochöfen, in Kohleminen und in der chemischen Industrie dürfen Frauen auch in Zukunft nicht arbeiten. Denn die Regierung glaubt, dass diese Berufe Frauen schaden - oder besser gesagt ihrer Fähigkeit, Kinder zu bekommen.

Die Berufsverbotsliste stammt aus den Siebzigerjahren. Der Kreml sorgt sich aber heute genauso wie damals um die Geburtenrate, in letzter Zeit ist die russische Bevölkerung geschrumpft. Präsident Wladimir Putin propagiert bei jeder Gelegenheit ein konservatives Familienleben, hat dessen Schutz kürzlich sogar in die Verfassung geschrieben. Die wichtigste Aufgabe der Frau, so die Botschaft, ist der Nachwuchs.

Die Moskauer Metro hat Barbiepuppen in dunkelblauer Uniform und High Heels entwerfen lassen

Zu Hause bleiben soll sie deswegen zwar nicht. Bereits zu Sowjetzeiten mussten Frauen mehr noch als in den westlichen Staaten mit anpacken. Der sowjetische Staat förderte ein Gefühl von Gleichberechtigung, bereits seit 1917 durften Frauen wählen, 1963 flog eine Kosmonautin der Sowjetunion als erste Frau ins All. Die erste Amerikanerin brach dorthin erst zwanzig Jahre später auf.

Sowjetische Frauen arbeiteten, auch weil es sich die meisten Familien gar nicht anders leisten konnten. Kinder blieben dennoch ihre Pflicht, um sie kümmerten sich die Frauen zusätzlich. Deswegen brauchten sie Jobs, die sich mit ihrer Mutterrolle vereinbaren ließen. So entstand dieser scheinbar widersprüchliche Mix aus Diskriminierung und Emanzipation, und eben die Berufsverbotsliste.

Bevor das russische Arbeitsministerium diese Liste nun verkürzt hat, gab es eine Reihe von Klagen und Gerichtsverfahren. Sogar das zuständige Komitee der Vereinten Nationen forderten die russische Regierung vor einigen Jahren dazu auf, ihre Liste der verbotenen Berufe zu überdenken.

Der Job als Metrofahrerin stand dort übrigens erst seit den Achtzigerjahren. Vorher hatte es Zugführerinnen gegeben, und wer als Frau bereits hinter dem Steuer arbeitete, durfte auch nach dem Verbot bis zur Rente bleiben. Die letzte Moskauer U-Bahn-Zugführerin wurde 2014 verabschiedet, die Zeitung Moskowskij Komsomolez schrieb über sie als "Lady Metro". Zum Berufsstart ihrer Nachfolgerinnen hat die Moskauer Metro nun nicht nur die Fahrkarten neu bedruckt. Sie hat sogar Barbiepuppen in dunkelblauer Uniform und High Heels entwerfen lassen.

Die Auflage ist klein, es gibt nur hundert Exemplare. "Du kannst sein, was du willst", steht auf der Verpackung der Metro-Barbies. Außer Feuerwehrfrau. Oder Taucherin oder Schweißerin ...

© SZ
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