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Mordserie an Afroamerikanern in Oklahoma:Weiß gegen Schwarz

Erst der schwarze Teenager Trayvon Martin in Florida, jetzt drei Afroamerikaner in Oklahoma: Zwei mutmaßlich rassistisch motivierte Gewalttaten innerhalb weniger Wochen schockieren Amerika. Sie offenbaren, wie dünn die Oberfläche ist, hinter der sich die Spannungen zwischen den Rassen in der US-Gesellschaft verbergen.

Wieder sind Schwarze die Opfer. Und wieder Weiße die mutmaßlichen Täter: In Tulsa, einer Großstadt im Bundesstaat Oklahoma, starben in der Nacht zum Karfreitag zwei Männer und eine Frau auf offener Straße, erschossen aus einem Pick-up-Truck. Offenbar hatte ihre Hautfarbe sie zu lebenden Zielscheiben gemacht: Am Osterwochenende gestanden zwei junge Männer, die drei getötet und zwei weitere Menschen im vornehmlich von Schwarzen bewohnten North Tulsa schwer verletzt zu haben.

Sollen für die Morde an drei Menschen dunkler Hautfarbe in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma verantwortlich sein: zwei 19 und 32 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter.

(Foto: AP)

Es ist bereits die zweite Gewalttat innerhalb weniger Wochen in den Vereinigten Staaten, die Amerika schockiert - weil sie offenbart, wie dünn die Oberfläche ist, hinter der sich die Spannungen zwischen den Rassen in der US-Gesellschaft verbergen.

Ende Februar war der Teenager Trayvon Martin vom selbsternannten Chef einer Bürgerwehr in einem kleinen Ort nördlich der Metropole Orlando in Florida erschossen worden. Dem Mann war der Jugendliche verdächtig erschienen, offenkundig aufgrund seiner Hautfarbe. Der 17-Jährige war lediglich unterwegs, um Süßigkeiten für einen Fernsehabend zu holen.

"Wir riefen die Leute auf Ruhe zu bewahren"

Eine inzwischen eingesetzte Sonderermittlerin erklärte am Montag, dass sie selbst die Entscheidung über eine Anklage in dem Fall treffen und dies nicht einem Geschworenengericht überlassen werde, wie es in den USA auch möglich wäre.

Einem Bericht der Zeitung Tulsa World zufolge dürfte entschlossenes Handeln der Pastoren von Kirchengemeinden in den schwarzen Wohngebieten Tulsas Unruhen bisher verhindert haben. Rund 20 Kirchenführer waren noch am Karfreitag zusammengekommen. "Die Situation hätte sehr leicht außer Kontrolle geraten können", sagte der Leiter der Bürgerrechtsorganisation NAACP in Tulsa, Warren Blakney. "Wir riefen die Leute auf Ruhe zu bewahren und die Polizei ihren Job machen zu lassen."

Tatsächlich hatten Bürgerrechtler und Vertreter von Schwarzenorganisationen nur Lob für die Arbeit der Polizei und Justizbehörden in Tulsa - ganz anders als in Florida, wo nach dem Tod Trayvon Martins Polizei und Staatsanwaltschaft massiver Kritik ausgesetzt waren. "Es ist schrecklich, dass drei Menschen sterben mussten. Aber das Vertrauen in die Polizei wurde gestärkt", sagte Blakney nach dem schnellen Ermittlungserfolg.

Die mutmaßlichen Todesschützen von Tulsa, ein 19-Jähriger und ein 32-Jähriger Gelegenheitsarbeiter, waren am Ostersonntag nach anonymen Hinweisen festgenommen worden. Sie gestanden die Taten offenbar wenig später. Danach waren sie in der Nacht auf Karfreitag unterwegs und hatten wahllos auf ihre Opfer geschossen. Zwei Männer hatten sie zuvor nach dem Weg gefragt, ehe sie das Feuer eröffneten.

Facebook-Eintrag gibt Hinweise auf Tatmotiv

Auf seiner Facebook-Seite hatte der jüngere der beiden mutmaßlichen Täter zuvor einen Eintrag hinterlassen, der Aufschluss über das Tatmotiv geben könnte. "Heute ist es zwei Jahre her, dass mein Vater nicht mehr ist", hatte der junge Mann geschrieben und ominös dazugesetzt: "Es fällt schwer, nicht auszurasten wegen dem und wegen Sheran. Ich bin durchgeknallt."

Der Vater des 19-Jährigen war vor zwei Jahren erschossen worden, als er einen Einbruch in die Wohnung seiner Tochter verhindern wollte. Die Polizei hat bisher keinen Täter ermittelt, lediglich einen Mann, der mit der Mordtat in Verbindung stehen könnte, aber formell nicht angeklagt ist. Der Mann ist schwarzer Hautfarbe. Die bei Facebook erwähnte Sheran war die fünf Jahre ältere Verlobte des 19-Jährigen. Sie hatte aus bisher unbekannten Gründen vor kurzem Selbstmord verübt und ein Kind hinterlassen, dessen Vater der 19-Jährige mutmaßliche Täter ist.

Die Staatsanwaltschaft hat formell noch keine Anklage erhoben. Sollte sie, wie zu erwarten ist, auf Mord lauten, droht beiden Verdächtigen die Todesstrafe.