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Mordprozess in Frankenthal:Ein Schläger als V-Mann

"Das jahrelange Zusammenwirken von LKA Rheinland-Pfalz mit einem mutmaßlichen Mörder lässt insgesamt das Bild einer unsäglichen Symbiose entstehen", sagt Gerhard Härdle, der Anwalt des Mitangeklagten Ahmed H.

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich die Lebensläufe von V-Männern nicht gerade für eine Bewerbung für die mittlere Beamten-Laufbahn eignen. Im Fall von Talib O. stellt sich aber doch die Frage, ob er jemals hätte beschäftigt werden dürfen. Und wie mit einem Wagen des LKA Mainz drei Leichen abtransportiert werden konnten.

"Vieles schiefgelaufen"

In vielen anderen Bundesländern hätte ein solcher Vorfall wohl zu einem ziemlichen Skandal auf politischer Ebene geführt. In Mainz aber stellt kaum jemand unbequeme Fragen.

In einer vertraulichen Sitzung des Innenausschusses informierte Innenminister Karl-Peter Bruch (SPD) die Fraktionen am 3. März 2008 über Talib O. Dieser sei ein wichtiger Kontaktmann zu Islamisten-Szene gewesen, berichtete Bruch und bat um Verschwiegenheit. Seitdem schweigen alle Parteien.

Vielleicht ist die Erregungsschwelle in Rheinland-Pfalz einfach höher als anderswo. Die CDU hat genug eigene Affären am Hals. Die Polizei steht wegen eines Abhörskandals in Landau ohnehin in der Kritik, wo sie Telefonate zwischen einem Verdächtigen und seiner Verteidigerin belauschte.

Zumindest die FDP hat nun eine kurze Anfrage an die Landesregierung gestellt, als bekannt wurde, dass der GPS-Sender des V-Mannes über Monate nicht funktionierte. "So kann man doch gar nicht pennen, dass einem ein solcher Defekt nicht auffällt", sagt der innenpolitische Sprecher der Liberalen, Thomas Auler. Er war selbst jahrzehntelang bei der Polizei und kennt sich aus mit V-Männern.

"Das ist immer ein heikler Bereich. Im Fall Talib O. ist aber vieles schiefgelaufen." Bevor Talib O. V-Mann wurde, erwischte man ihn 1999 bei einem Ladendiebstahl. Mit den eintreffenden Polizisten lieferte er sich eine wilde Schlägerei und entwendete ihnen die Waffen. Später durfte er für die Polizei arbeiten.

Wichtige Akten gesperrt

Fahnder des LKA verweisen darauf, dass Talib O. gute Kontakte zu führenden deutschen Islamisten hatte. Auch sein Anwalt Stefan Allgeier sagt, seine Erkenntnisse führten "von Ulm bis ins Sauerland". Talib O. soll schon früh Kontakte zur Ulmer Islamisten-Szene gehabt haben, zum Arzt Yehia Yousif, der als Hassprediger den Boden für eine ganze Generation von Gotteskriegern bereitete, darunter Fritz Gelowicz, das Ulmer Mitglied der Sauerland-Bomber.

Auch Attila S. soll der mutmaßliche Mörder Talib O. gekannt haben, der der Sauerland-Gruppe die Zünder für ihre Bomben beschafft haben soll. Nachprüfen lässt sich das schwer, weil das LKA Mainz alle wichtigen Akten gesperrt hat.

Ende Januar ist der V-Mann-Führer als Zeuge vor Gericht geladen. Die Verteidiger befürchten, dass seine Aussagegenehmigung nicht sehr weit reichen wird. Das Innenministerium in Mainz möchte zu dem Fall keine Stellung nehmen.

Der Sauerland-Gruppe waren die Ermittler über Jahre so nah, wie keiner sonst, jedes Gespräch wurde abgehört, dazu brauchte es keinen Talib O.. Die Frage wäre ohnehin, wie er sich mit den Islamisten aus Ulm überhaupt verständigen wollte.

Vor Gericht ist sein Deutsch so schlecht, dass er einen Dolmetscher braucht. Aber vielleicht ist das auch wieder nur so ein Trick im Leben von Talib O. Eine der vielen Geschichten.