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Mordfall Michelle:Ein Land sucht einen Mörder

Sachsens Polizei bietet die größte Sonderkommission seit der Wiedervereinigung auf, um das Gewaltverbrechen an der achtjährigen Michelle aufzuklären.

Um den Mörder der achtjährigen Michelle zu finden, hat die Leipziger Polizei ihre Sonderkommission noch einmal aufgestockt. Man habe Spezialisten des Landeskriminalamtes eingebunden, sagte Polizeipräsident Bernd Merbitz.

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(Foto: Grafik: SZ)

Sogenannte "Profiler" sollen versuchen, aus den Spuren, die an Tatort und Leiche gefunden wurden, Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Täters zu ziehen. Am Freitagnachmittag sollte die Leipziger Feuerwehr außerdem das Wasser aus dem Teich abpumpen, in dem Michelles Leiche gefunden worden ist. Die Polizei hat zahlreiche Hinweisen aus der Bevölkerung bekommen. Eine heiße Spur, so hieß es, sei aber noch nicht darunter.

Die Obduktion des Mädchens ergab, dass die Achtjährige einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel. "Michelle hat ein schreckliches Ende gefunden", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Strobl. Zum Ablauf des Verbrechens macht die Leipziger Polizei einstweilen keine weiteren Angaben. Daher bleibt auch unklar, ob Michelle vor ihrem Tod missbraucht worden ist. Aus ermittlungstaktischen Gründen wolle man kein Wissen veröffentlichen, das nur der Täter besitzen könne, sagte Strobl. Das Verbrechen löste in Leipzig große Betroffenheit aus, Bürger legten Blumen, Briefe und Stofftiere vor Michelles Elternhaus und Schule nieder.

Inzwischen ist die "Sonderkommission Michelle", auf 177 Beamte aufgestockt worden. Es ist die größte Soko in Sachsen seit der deutschen Wiedervereinigung . Allein acht Beamte sind damit beschäftigt, Videoaufnahmen von Kameras in Bussen und Bahnen auszuwerten. Nach Angaben der Polizei wurden seit Montag 1400 Personen befragt, darunter waren auch registrierte Sexualstraftäter. Auch der Abgleich der Sexualstraftäter-Datei mit Tatortspuren wurde am Freitag fortgesetzt.

Zudem haben polizeiliche Suchtrupps in drei Tagen 180 Gebäude und Grundstücke in der Umgebung des Tatortes in Augenschein genommen. Offen blieb bislang vor allem eine Frage: Was meinte Michelle, als sie am Montag auf dem Weg zu ihrem Elternhaus einer Mitschülerin ankündigte, noch bei einem gewissen "L." vorbeizuschauen? Ein Mitschüler will das Mädchen außerdem kurz vor seinem Verschwinden mit einem unbekannten Mann auf einer Parkbank gesehen haben.

Die achtjährige Michelle hatte am Montag am Ferienprogramm der Grundschule teilgenommen, in der sie die zweite Klasse besucht. Mit anderen Kindern war sie im Zoo gewesen, als sie sich gegen 15.30 Uhr von der Grundschule in der Martinstraße aus auf den Nachhauseweg machte. Mehr als zehn Minuten benötigte das Mädchen, das von seinen Eltern als sehr zuverlässig eingeschätzt wurde, dafür eigentlich nicht. Nachdem sich Michelle an der Ecke zur Oststraße von einer Freundin verabschiedet hatte, verlor sich jedoch ihre Spur. Am Donnerstagmittag entdeckte schließlich ein Spaziergänger ihre Leiche im Teich des Stötteritzer Wäldchens.

Die Fundstelle ist weniger als zwei Kilometer von Michelles Elternhaus entfernt. Das Mädchen konnte zunächst nur aufgrund seines Körperbaus und seiner Kleidung identifiziert werden. Eine Identifizierung durch die Eltern hat noch nicht stattgefunden. Sie werden derzeit von Polizeipsychologen betreut. Das Stötteritzer Wäldchen sei in den vergangenen Tagen natürlich schon durchsucht worden, sagte Bernd Merbitz. Die "Auffindesituation" sei jedoch "sehr kompliziert" gewesen, erklärte er. Man habe sehr nah herangehen müssen, um die Leiche zu entdecken.