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Mordfall Meredith Kercher:"Unmenschlich und entwürdigend"

Amanda Knox verklagt Italien, weil ihre Rechte missachtet worden seien.

Italien droht ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, weil es die Rechte der Amerikanerin Amanda Knox missachtet habe. Ihre Klage wurde angenommen. Als Knox am 6. November 2007 von der Polizei in Perugia, wo sie studierte, im Mordfall der britischen Studentin Meredith Kercher verhört wurde, war offenbar weder ein Verteidiger noch ein Dolmetscher dabei, der die Gespräche und den Rapport aus dem Italienischen übersetzt hätte. Man habe sie viel mehr gedrängt, zu gestehen, dass sie zur Tatzeit am Tatort gewesen sei und den angeblichen Mörder gesehen habe. Außerdem habe man sie beim Verhör geohrfeigt, was Knox' Anwälte als Verstoß gegen Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention erachten. Sie sei "unmenschlich und entwürdigend" behandelt worden. Knox und ihr ehemaliger Verlobter, Raffaele Sollecito, waren im vergangenen Jahr vom Römischen Kassationshof in letzter Instanz und begleitet von großem Medienrummel freigesprochen worden, nachdem sie vier Jahre im Gefängnis verbracht hatten.

© SZ vom 19.05.2016
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