Mordanklage gegen Oscar Pistorius Polizei benennt neuen Chefermittler

Nach anhaltender Kritik an Hilton Botha hat die Polizei in Pretoria einen neuen Chefermittler in der Anhörung im Mordfall Pistorius benannt. Botha war zuvor selbst in den Fokus geraten, nachdem bekannt wurde, dass gegen ihn wegen des Verdachtes auf versuchten Mord ermittelt wird.

Die Entwicklungen im Newsblog

Ein Spitzensportler unter Mordverdacht: Heute soll entschieden werden, ob Oscar Pistorius auf Kaution freikommt. Bisher befindet sich der Paralympics-Star noch in Polizeigewahrsam. Während der Anhörungen der vergangenen zwei Tage hat die Staatsanwaltschaft bereits den Chefermittler Hilton Botha befragt.

Doch gegen den leitenden Polizeiermittler werden jetzt schwere Vorwürfe laut: Botha selbst soll vor drei Jahren in eine Schießerei verwickelt worden sein. Deshalb wird gegen ihn jetzt wegen versuchten siebenfachen Mordes ermittelt.

Zwar sei der Fall aus dem Jahr 2011 zwischenzeitlich eingestellt worden, er werde nun aber wiederaufgenommen, heißt es. Dabei gehe es um einen Vorfall, als der Polizeioffizier auf einen Kleinbus mit sieben Insassen schoss, um ihn am Weiterfahren zu hindern.

Botha hatte am Mittwoch ausgesagt, er fürchte, Pistorius könne flüchten. Die Ermittler hätten in einem Safe des Anwesens Dokumente des Sportlers gefunden, die auf ausländische Konten und ein Ferienhaus in Italien hinwiesen, sowie eine Substanz, die derzeit untersucht wird. Botha hatte erst von Testosteron gesprochen, das jedoch später revidiert: "Ich habe nicht richtig aufs Etikett geschaut."

Pistorius hatte am Montag in einer eidesstattlichen Erklärung mitgeteilt: "Ich hatte nicht vor, meine Freundin zu töten." Er schilderte Detail für Detail, was sich in der Tatnacht zugetragen haben soll. Pistorius' Anwalt Barry Roux versucht, das Gericht davon zu überzeugen, dass sein Mandant Steenkamp tötete, weil er sie für einen Einbrecher hielt.

16:08 Uhr Botha wird als Chefermittler abgelöst

Die Polizei in Pretoria hat einen neuen Chefermittler im Mordfall Pistorius benannt. Der örtliche Radiosender Eyewitness News hatte bereits am frühen Morgen unter Berufung auf einen Sprecher der Nationalen Anklagebehörde berichtet, dass Botha abgelöst werde. Der Beamte könne nicht "mit dem Fall weitermachen", wurde der Sprecher zitiert. 

15:38 Uhr Entscheidung auf morgen vertagt

Eigentlich hätte das Gericht in Pretoria heute darüber entscheiden sollen, ob Oscar Pistorius gegen Zahlung einer Kaution vorläufig freigelassen wird. Doch weil noch zu viele Fragen offen sind, beendet Richter Desmond Nair die Anhörung und setzt die Fortsetzung für den Folgetag an. Um 8 Uhr Mitteleuropäischer Zeit soll es weitergehen.

15:09 Uhr Staatsanwalt stellt Pistorius' Verhalten in der Tatnacht infrage

Der Staatsanwalt spricht jetzt über die Tatnacht und stellt Pistorius die Frage: "Es waren zwei Menschen im Haus und Sie hörten ein Geräusch. Sind Sie sofort davon ausgegangen, dass es sich um einen Einbrecher handelt - nicht um die andere Person?" 

15:00 Uhr Staatsanwalt glaubt nicht an Todesdrohungen gegenüber Pistorius

Staatsanwalt Nel sagt, dass Oscar Pistorius die Auswirkungen seiner Tat offenbar noch nicht realisiert habe. Guardian-Reporter Smith zitiert Nel: "Er (Pistorius) tut so, als sei nichts passiert, als könne er mit seinem bisherigen Leben einfach so weitermachen." Gegenüber der Staatsanwaltschaft habe Pistorius ausgesagt, dass er Todesdrohungen erhalten habe, doch "dafür haben wir keine Beweise", so Nel weiter. 

14:49 Uhr Pistorius wird von seinem Bruder getröstet

Oscar Pistorius beginnt zu weinen, sein älterer Bruder Carl legt ihm von hinten die Hand auf die Schulter, twittern mehrere anwesenden Gerichtsreporter. 

14:23 Uhr "Der geplante Mord eines Eindringlings"

Staatsanwalt Gerrie Nel sagt: "Es reicht nicht zu sagen: Ich bin Oscar Pistorius, ein weltbekannter Sportler." Selbst wenn er die Version von Pistorius - dass er seine Freundin für einen Einbrecher gehalten habe und darum geschossen habe - glauben würde, dann bliebe doch folgende Schlussfolgerung : "Was dennoch bleibt, ist der geplante Mord eines Eindringlings." 

13:33 Uhr Nike setzt Werbevertrag mit Pistorius aus

Wegen des Mordprozesses gegen den südafrikanischen Sprintstar Oscar Pistorius hat der US-Sportkonzern Nike seinen Vertrag mit dem Angeklagten ausgesetzt. Das Unternehmen sei der Meinung, dass Pistorius einen "vorschriftsmäßigen Prozess" haben solle, "und wir werden die Situation sehr genau beobachten", erklärte ein Nike-Sprecher.  Eine Nike-Werbung mit Pistorius zeigte den Athleten, der mit spektakulären Sprints auf Beinprothesen zum Star wurde, beim Start für ein Rennen. Der Slogan hieß: "I am the bullet in the Chamber" (Ich bin die Kugel im Lauf). Gestern hatte bereits die französische Kosmetikfirma Clarins erklärt, sie verzichte ab sofort auf ihre Werbung mit Pistorius. Der Paralympics-Star hat mehrere lukrative Verträge, darunter mit British Telecom, dem isländischen Hersteller seiner Prothesen, Össur, und dem US-Brillenproduzenten Oakley. Der Gesamtwert beläuft sich laut Financial Times auf etwa 3,5 Millionen Euro jährlich.

13:28 Uhr Botha soll vom Pistorius-Fall abgezogen werden

Wird Chefermittler Hilton Botha vom Pistorius-Fall abgezogen werden? Südafrikanische Journalisten berichten, dass für 15 Uhr eine Pressekonferenz geplant sei, in der verkündet werde, dass Botha nicht weiter im Pistorius-Fall ermitteln wird, schreibt der Guardian in seinem Newsblog.

13:20 Uhr Botha "kein glaubwürdiger Zeuge"

Anwalt Roux sagt, die Strategie der Anklage beinhalte "Möglichkeiten", wohingegen die Verteidigung Pistorius' auf "Wahrscheinlichkeiten" ausgerichtet sei. Wiederholt wirft er Botha vor, den Fall durch wenige Beweise "künstlich aufzupolstern". Der Polizeiermittler sei "kein glaubwürdiger Zeuge". Wie schon gestern, geht Roux auch erneut auf die Zeugin ein, die ein "unablässiges Geschrei" in der Tatnacht gehört haben will. Erst hieß es die Nachbarin wohne 600 Meter entfernt von Pistorius' Villa, andere Angaben gingen von 300 Metern aus. Am Ende hatte Botha zugegeben, dass er die Entfernung zwischen den beiden Häusern nicht exakt kenne. 

12:46 Uhr "Warum sollte sich ein Einbrecher auf der Toilette einschließen?"

Nach einer kurzen Mittagspause geht die Anhörung jetzt weiter. Roux fragt: "Warum sollte sich ein Einbrecher auf der Toilette einsperren?" Das twittert Gerichtsreporter Barry Bateman des südafrikanischen Radiosenders Eyewitness News Pretoria. Botha antwortet, dass Pistorius nicht gewusst haben kann, ob die Tür verschlossen gewesen sei oder nicht. 

12:12 Uhr Pistorius' Anwalt greift Botha an

Der Anwalt von Oscar Pistorius greift im Kreuzverhör den Chefermittler Botha an. Er wirft ihm "schwache Beweise" vor. Die Ergebnisse, die Botha anführe, sprächen nicht für "vorsätzlichen Mord", zitiert David Smith, der Afrika-Korrespondent des Guardian den Anwalt. Zudem hätte Pistorius seine Freundin - wenn er den Vorsatz gehabt hätte - auch im Bett töten können. Er hätte sie nicht durch die geschlossene Toilettentür erschießen müssen, so Roux weiter. 

11:32 Uhr Botha soll Tatort verunreinigt haben

Botha wird momentan zu den beschlagnahmten Mobiltelefonen aus dem Pistorius' Haus befragt. Tags zuvor wurden gegen ihn von Pistorius' Anwalt schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit den Ermittlungen erhoben. Botha traf als Erster in der Nacht, in der Reeva Steenkamp erschossen wurde, im Haus des Sportlers ein.  Der Ermittler soll ohne Schutz über seine Schuhe zu ziehen, am Tatort herumgelaufen sein und ihn damit verunreinigt haben.

11:13 Uhr So sieht der Gerichtssaal aus

Der Saal des Magistratsgerichts in Pretoria ist bis auf den letzten Platz besetzt. Der Guardian ermöglicht einen 360-Grad-Panorama-Blick in den Gerichtssaal. 

11:12 Uhr Botha taucht auf

Polizeiermittler Botha ist nun aufgetaucht. 

11:04 Uhr Spekulationen über Botha

Der örtliche Radiosender Eyewitness News hat unter Berufung auf einen Sprecher der Nationalen Anklagebehörde berichtet, dass Botha abgelöst werde. Der Beamte könne nicht "mit dem Fall weitermachen", wurde der Sprecher zitiert. Bisher gibt es jedoch noch keine offiziellen Angaben, Botha von dem Fall abzuziehen. 

10:59 Uhr Anhörung unterbrochen

Staatsanwalt Gerrie Nel sagt, dass er und sein Team nicht von den Vorwürfen gegen Chefermittler Hilton Botha gewusst hätten. Gegen den Polizisten wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Botha ist bisher nicht im Gerichtssaal aufgetaucht. Der zuständige Richter hat die Anhörung für 15 Minuten unterbrochen. 

10:31 Uhr Chefermittler Botha fehlt

Die Anhörung verzögert sich. Der leitende Polizeiermittler Hilton Botha ist noch nicht aufgetaucht.