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Mordfall Susanna:Ali B. setzte sich in den Irak ab

Auch mit Susanna, einem nach Darstellung der Mutter und von Freunden eher schüchternen und zurückhaltenden Mädchen, das in einen jüngeren Sohn der Familie B. verliebt war und Ali eher fürchtete, wollte er offenkundig Sex. Er überredete sie zu einem nächtlichen Stelldichein in Wiesbaden, tötete sie auf der Brache, verscharrte die Leiche und setzte sich wenige Tage später mitsamt seiner ganzen Familie in den Irak ab, mit manipulierten Flugtickets.

Von dort holte ihn der Chef der Bundespolizei, Dieter Roman, vergangenes Jahr in einer Sonderaktion höchstpersönlich zurück. Der Mord hatte für öffentliche und politische Diskussionen gesorgt, dass der mutmaßliche Täter mit falschem Namen auf dem Ticket dann auch noch über den Flughafen Düsseldorf ungehindert ausreisen konnte, sorgte landesweit für helle Empörung.

Zwischen Schuldgefühl und Reue

Für Susannas Mutter war die Urteilsbegründung eine Tortur. Dabei wollte Richter Bonk sie und die tote Tochter nachträglich in Schutz nehmen. Nach dem Verbrechen kursierten allerlei Spekulationen um die Frage, warum eine Mutter ihrem halbwüchsigen Kind Kontakte mit Menschen wie Ali B. gestattet. Sie habe alles richtig gemacht, sagt der Vorsitzende an die Adresse der Mutter, die geglaubt hatte, dass ihre Tochter in der Tatnacht bei einer Freundin übernachtete. Sie trage keine Mitschuld an dem Verbrechen, die Verantwortung liege allein bei Ali B., der keine glaubhafte Reue gezeigt habe.

Womöglich war die langwierige Urteilsbegründung auch ein Versuch der Kammer, zum Schluss des Prozesses doch noch das Gewissen und das Herz des Angeklagten zu rühren. Aber "Schuld ist nicht gleich Schuld. Man kann sie unterschiedlich tragen", mahnte der Richter den Beschuldigten. Ali B. zeigte auch hier keine erkennbare Reaktion. "Vielleicht sind Sie zu Reue auch gar nicht in der Lage", schlussfolgerte der Richter.

Eine letzte Sache wollte Bonk im Urteil dann auch noch klarstellen. Das narzisstische Verhalten des Angeklagten und sein archaisches Frauenbild seien nicht den kulturellen Unterschieden zwischen seiner alten und seiner neuen Heimat geschuldet, sondern jener Persönlichkeitsstörung, die ihn vor einem Jahr zu einem kaltblütigen Mörder hatte werden lassen. "Ein solcher Umgang mit Frauen wird weder im Irak noch in Deutschland toleriert", sagte der Richter.