Mord aus EifersuchtHöchststrafe für absolute Grausamkeit

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Das Landgericht Stuttgart verurteilt die jungen Mörder eines Abiturienten. Ein Tatmotiv finden die Richter allerdings nicht.

Bernd Dörries

Es wäre gut, sagt der Richter, wenn dieser Fall ein extremer bleiben würde. Wenn man nicht das Gefühl haben müsse, "nicht mehr in die Jugend hineinschauen" zu können. Denn das ist dem Landgericht Stuttgart nicht gelungen. Die Jugend, das sind in diesem Fall vier Angeklagte, die an diesem letzten Verhandlungstag so aussehen wie auch die fünf zuvor.

Tiefe Trauer und keine Genugtuung: Die Eltern des ermordeten Yvan stellen sich nach der Urteilsverkündung den Medien.
Tiefe Trauer und keine Genugtuung: Die Eltern des ermordeten Yvan stellen sich nach der Urteilsverkündung den Medien. Foto: dpa

Deniz E. trägt einen grauen Kapuzenpulli und bleibt bei seinem Schweigen, Roman K. schüttelt den Kopf, wenn über ihn gesprochen wird, und Kajetan M. macht ein Gesicht, als habe er mit all dem gar nichts zu tun. Nur Sessen hat sich ein wenig verändert, hat die rote Trainingsjacke gegen einen pinkfarbenen Rollkragenpullover getauscht, in den sie sich nun verkriecht, den Blicken des Mannes gegenüber ausweicht. Dem Vater von Yvan.

Von Yvan, der mit 19 Jahren starb. Der am 21. August 2007 mit einem Baseballschläger tot geprügelt wurde, dem Deniz mit beiden Füßen auf den Kopf sprang. Zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt das Landgericht am Mittwoch die beiden Haupttäter Deniz und Roman, 18, zur höchstmöglichen Jugendstrafe. Deniz wird in die Psychiatrie eingewiesen, er stelle immer noch eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

"Krankhafter Eifersuchtswahn"

Das Gericht hält den heute 19-Jährigen zwar für vermindert schuldfähig, die Schwere der Tat erfordere aber dennoch die Verhängung der Höchststrafe. Sessen, 17, bekommt als Mittäterin neun Jahre und Kajetan, 23, wird wegen versuchter Vereitelung einer Straftat zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Es ist die Antwort, die das Gericht geben kann. Die Frage nach der Ursache der Tat, sagt der Richter, habe man aber nicht klären können. Lediglich bei Deniz fand man wenigstens so etwas wie einen Anhaltspunkt für sein Motiv: Den "krankhaften Eifersuchtswahn". Aber bei den anderen wisse man bis heute nicht genau, warum sie gemordet haben oder dabei halfen.

Deniz und Sessen hatten eine seltsame Beziehung. Es gab Streit, Schläge und Trennungsdrohungen. Deniz entwickelte schließlich den Wahn, sich an allen Männern zu rächen, die etwas mit Sessen hatten. Der erste bekam im Sommer 2007 Prügel. Sessen musste die Namen derer nennen, mit denen sie Sex hatte. Die damals 16-Jährige behauptete, Yvan sei der erste gewesen und es sei gegen ihren Willen geschehen. Es war eine Lüge, denn Yvan hatte Sessen vielleicht einmal geküsst, aber mehr war da nicht.

Sessen lockte Yvan auf eine Wiese, in einen Hinterhalt. Roman und Deniz schlugen mit dem Baseballschläger zu. Vier Tage lang zerstückelten sie die Leiche in 14 Teile, es war die Idee von Kajetan, der nach dem Mord dazukam und half, weil man Freunden eben helfen müsse. Die Zerstückelung einer Leiche hatte er in einem Mafiafilm gesehen. Einmal hielt Deniz ein Stück von Yvans Körper in der Hand und sagt zu seiner Freundin, das sehe aus wie Döner. Die Leichenteile betonierten sie in Blumenkübel ein und warfen sie in den Neckar. Den Rumpf des Toten legten sie in einem Wald ab. Dabei half der Vater von Deniz, auch gegen ihn wird es einen Prozess geben.

Pierre Schneider, der Vater von Yvan, hat sich über mehrere Wochen angehört, was mit seinem Sohn passierte, wie er zu Tode kam. Wenn es zu schlimm wurde, ging er vor die Tür. Nun, nach der Abführung der Mörder, sitzt er noch im Gerichtssaal und sagt, dass "diese Barbaren nach wie vor ihr Leben haben, unser Sohn ist in der Ewigkeit".

Neben ihm sitzt seine Frau und fragt, ob es überhaupt einen Vater oder eine Mutter geben könne, die so ein Urteil zufrieden stellt: "Das Jugendstrafrecht sollte für kleine Delikte angewandt werden, nicht für Mord." In Frankreich sei das anders. Die Schneiders sind vor einigen Jahren aus dem Elsass nach Deutschland gekommen, Yvan ging in Stuttgart zur Schule und stand vor dem Abitur. "Wir werden wohl in unsere Heimat zurückkehren", sagt die Mutter, "und Yvan mitnehmen."

© SZ vom 06.03.2008/cag - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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