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Mord auf dem Campingplatz:Zu Tode geliebt

Nach der tödlichen Messerattacke auf zwei junge Frauen auf einem Campingplatz bei Cuxhaven hat der Angeklagte die Tat vor Gericht gestanden. Motiv: unerwiderte Liebe.

Liebeskummer und verletzter Stolz ließen ihn zum Mörder werden: Er ist ihr in den Urlaub nachgefahren, den sie mit ihrer Freundin verbringen wollte. Auf einem Campingplatz in Sahlenburg bei Cuxhaven hat er dann beide Frauen umgebracht. Der Angeklagte hat die Tat nun vor dem Landgericht Stade gestanden.

Prozess am Landgericht Stade: Der 30-jährige Angeklagte hat im Gerichtssaal den Mord an zwei Frauen auf einem Campingplatz im Cuxhavenen Ortsteil Sahlenburg gestanden.

(Foto: Foto: dpa)

"Ich wollte sie zurückhaben"

Zwei Stunden lang äußerte sich der 30-Jährige ausführlich dazu, was ihn zur Bluttat veranlasste: So habe er seine Ex-Freundin zunächst nicht töten wollen, als er zum Campingplatz aufbrach. "Warum auch? Ich wollte sie zurückhaben", erklärte er. Mit dem mitgebrachten Küchenmesser habe er lediglich die Reifen ihres Autos zerstechen wollen. Die 27-Jährige befand sich mit ihrer gleichaltrigen Freundin im Sommerurlaub.

Doch dann kam alles anders: Eigenen Angaben zufolge schlich er in den Wohnwagen und beobachte die junge Frau beim Schlafen. Alte Gefühle kamen ihn ihm auf. Als sie erwachte, habe er ihr seine Liebe gestanden und sie gebeten, zu ihm zurückzukehren.

"Du blöder Ossi"

Doch die Frau ging nicht auf die Bitte ein. Stattdessen habe sie sich über den aus Dresden stammenden Mann lustig gemacht mit den Worten: "Du blöder Ossi glaubst doch nicht wirklich, dass ich dich zurücknehme und ich meine Höhepunkte vortäuschen muss."

Außer sich vor Wut habe er auf sie eingestochen. 18 Mal. "Ich war wie im Rausch, unfähig nachzudenken, aufzuhören", sagte der Angeklagte über seinen Zustand während der Tatnacht. Die Bekannte flüchtete ins Freie, doch der Täter holte sie ein und tötete auch sie.

Der gelernte Gabelstaplerfahrer zeigte im Gerichtssaal Reue: "Ich bedauere das zutiefst", sagte der Mann: "Ich frage mich immer, warum ich mir keine Hilfe gesucht habe, um über Nadine hinwegzukommen." Doch offenbar übermannte ihn sein Trennungsschmerz: "Ich habe sie geliebt, wahrscheinlich zu sehr."

Internetbekanntschaft

Nach seiner Schilderung hatte er seine Ex-Freundin im August 2008 über das Internet kennengelernt. Seit Januar 2009 waren sie ein Paar. Im darauf folgenden Frühjahr aber habe sie die Beziehung wieder offen halten wollen, weil sie sich eingeengt gefühlt habe. Er sei gekränkt und eifersüchtig gewesen und habe doch stets auf eine Fortsetzung der Beziehung gehofft.

Die Staatsanwaltschaft in Stade fordert, den bisher nicht vorbestraften Angeklagten wegen Mordes und Totschlags zu verurteilen. Bereits gegenüber der damals ermittelnden Polizei hatte er die Tat gestanden und als Motiv angegeben, nicht über die Trennung hinweggekommen zu sein.

Im weiteren Verlauf des ersten Verhandlungstages sollen erste Zeugen vernommen werden. Für den Fall hat die Kammer fünf Verhandlungstage anberaumt.

© sueddeutsche.de/dpa/kred/abis
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