Mord an Kind:18 Jahre nach der Tat - Polizei fasst mutmaßlichen Mörder von Johanna

  • Ein 18 Jahre alter Mordfall in Hessen steht vor der Aufklärung.
  • Es geht um den Tod der achtjährigen Johanna, die damals zuletzt auf einem Sportplatz gesehen und später tot im Wald gefunden worden war.
  • Jetzt hat die Polizei in Gießen einen 41-Jährigen festgenommen. Er soll ein Geständnis abgelegt haben.
  • Eine andere Sexualstraftat hatte die Ermittler auf die richtige Spur geführt.

Sieben Monate haben die Eltern der achtjährigen Johanna eine Zeit durchlitten, die in Polizeiberichten und in TV-Fahndungssendungen immer mit "quälende Ungewissheit" umschrieben wird. Eine Floskel, die die Grausamkeit dieses Zustandes niemals erfassen kann: Zu fürchten, zu ahnen, zu spüren, dass das eigene Kind nicht mehr lebt. Trotzdem weitermachen, keinesfalls aufgeben, jede noch so kleine Möglichkeit in Erwägung ziehen. Genau das haben Johannas Eltern damals getan. Einem möglichen Entführer boten sie Geld, wenn er ihre Tochter lebend zurückbringen würde. Vergeblich.

Am 2. September 1999 wurde das Kind auf dem Sportplatz seines Heimatortes in Ranstedt-Bobenhausen in Hessen zum letzten Mal lebend gesehen. Am 1. April 2000 fand ein Spaziergänger etwa 50 Kilometer entfernt nahe der Autobahn A5 die Leiche des Mädchens.

Auch danach hatte das grausame Warten für die Eltern kein Ende. Fast 18 Jahre lang wussten sie nicht, wer für den Tod ihrer Tochter verantwortlich ist. Alle Spuren verliefen im Nichts, auch ein Massen-DNA-Test brachte keine Ergebnisse.

Haftbefehl wegen Mordes und sexueller Nötigung

Doch jetzt vermeldet die zuständige Kripo in Gießen völlig überraschend einen Fahndungserfolg: Man habe einen Verdächtigen gefasst, einen 41-jährigen Mann. Er soll das Mädchen in sein Auto gezwungen, es sexuell missbraucht und dann getötet haben.

Der nun Festgenommene habe "den überwiegenden Teil der Tatvorwürfe eingeräumt", heißt es von Seiten der Polizei. Gegen ihn sei Haftbefehl wegen Mordes und besonders schwerer sexueller Nötigung erlassen worden.

Die Ermittler seien durch eine andere Sexualstraftat auf den Tatverdächtigen gekommen, sagte Staatsanwalt Thomas Hauburger am Donnerstag in Gießen vor Journalisten. Demnach sei der Mann im August vergangenen Jahres zufällig Passanten bei sexuell motivierten Fesselungsspielen mit einem 14-jährigen Mädchen in einem Maisfeld in der Wetterau aufgefallen. Dies habe umfangreiche Ermittlungen gegen den schon einmal verdächtigten 41-Jährigen ausgelöst, die nun zu seiner Festnahme führten.

Dem Staatsanwalt zufolge gibt es auch zwei konkrete Spuren, die dem Verdächtigen zugeordnet werden konnten. An einem Klebeband, mit dem er Johanna gefesselt habe, sei ein Teilabdruck seines linken Daumens nachgewiesen worden. Außerdem seien an in seiner Wohnung gefundenen Klebebändern Fasern gefunden worden, die identisch seien mit Fasern vom Tatort im Mordfall Johanna. Auch vor 18 Jahren schon seien Fingerabdrucke genommen worden, aber die Technik sei damals noch nicht so weit gewesen, um ihn damit zu überführen.

Kinderpornografisches Material gefunden

Zudem will ein Zeuge das Auto, das der Mann damals fuhr - einen VW Jetta - am Tattag an der Stelle gesehen haben, an der das Fahrrad des Mädchens gefunden wurde.

Der 41-Jährige ist laut Staatsanwaltschaft ledig, kinderlos, ohne Beruf und vorbestraft, darüber hinaus soll er in das Täterprofil passen, das Experten der sogenannten Operativen Fallanalyse nach der Tat erstellt hatten. In der Wohnung des Mannes fand die Sonderkommission massenweise Kinderpornografie. Der Leiter der Soko "Johanna", Roland Fritsch, sprach von 17 Millionen Dateien, darunter Hunderte Datenträger und Hunderte Videokassetten.

Es gebe derzeit "keine belastbaren Hinweise", dass der Mann für weitere Missbrauchsfälle, Morde oder das Verschwinden von Mädchen verantwortlich ist, sagte Fritsch. Es werde nun aber mit Hochdruck weiter ermittelt, um ähnliche unaufgeklärte Fälle in ganz Deutschland zu überprüfen.

© SZ.de/dpa/AFP/olkl/spes/ewid/dd
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