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Kritik an Ermittlungen im Mordfall Lena:"Manchmal etwas voreilig"

Nach dem Mord an der elfjährigen Lena aus Emden war ein 17-Jähriger verhaftet worden, weil er als dringend tatverdächig galt. Wenig später musste er wieder aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Jetzt wird Kritik an der Vorgehensweise der Ermittler laut. Die weisen alle Vorwürfe zurück.

Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl hat im Fall der ermordeten Lena aus Emden die Sicherheitsbehörden kritisiert. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten "ein Interesse an einem raschen Fahndungserfolg", sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag dem Kölner Stadt-Anzeiger. Deshalb seien sie "manchmal etwas voreilig und riskieren zu häufig einen zu schnellen Gang an die Öffentlichkeit." Dies sei immer häufiger zu beobachten.

In Emden hatten Polizei und Staatsanwaltschaft einen 17-Jährigen als tatverdächtig verhaftet, diesen später aber wieder frei lassen müssen, weil er sich als unschuldig erwies. In der Zwischenzeit hatten Bürger sowohl vor der Emdener Polizeiwache als auch im Internet massive Drohungen gegen den Jugendlichen ausgestoßen.

Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck verteidigte die Arbeit der Polizei, die keine andere Wahl gehabt hätte, als den 17-Jährigen festzunehmen. Auch der Haftbefehl habe beantragt werden müssen, weil zu diesem Zeitpunkt dringender Tatverdacht bestanden habe. "Es blieb uns zu diesem Zeitpunkt keine andere Wahl, und dazu stehen wir. Insofern haben wir zu jeder Zeit richtig gehandelt", sagte Südbeck.

Auch der Berliner Strafrechtsprofessor Martin Heger kritisierte die Staatsanwaltschaft. Zwar sei es vermutlich korrekt gewesen, den 17-jährigen Berufsschüler aufgrund der Indizien und Beweise zu verhaften, sagte er der Zeitung Die Welt. Die Staatsanwaltschaft sei mit den Sachverhalten aber "zu offensiv an die Öffentlichkeit gegangen".

Zur Rehabilitierung des Jungen müsse sie nun ebenso massiv an die Öffentlichkeit gehen. "Die Staatsanwaltschaft hat nun eine Pflicht zur Offenlegung der Entlastungsgründe - auch unter Inkaufnahme der Gefährdung des Untersuchungszwecks", sagte Heger.

Die Vorfälle in Emden zeigten zudem, "welche Kräfte im Internet frei gesetzt werden können", sagte Uhl. Das Internet könne "das zivilgesellschaftliche Verhalten der Menschen zum Negativen verändern". Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte, Menschen, die zur Lynchjustiz aufriefen, müssten "unnachgiebig verfolgt werden." Er kritisierte "Teilaspekte einer Lynchatmosphäre" im Internet. "So schön das Internet ist: Dies ist eine seiner dunklen Seiten", sagte der Politiker.