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Monopoly:Das Glück des Teufels

Schon 1935 wurde das Spiel um Mieten und Moneten trotz der Rezession mehr als eine Million Mal verkauft, so dass man bei Parker im Jahr darauf die Produktion künstlich drosselte - man fürchtete, es könne sich sonst totlaufen. Doch auch hier irrten sich die Experten: Die Faszination Monopoly hat seither nie nachgelassen und seit 1935 gingen mehr als 250 Millionen Sets über die Ladentheke. Ereigniskarten wie "Gehen Sie über Los und ziehen Sie 4000 Mark ein" oder "Bankirrtum zu Ihren Gunsten" existieren heute in 26 Sprachen (inklusive Blindenschrift) in knapp hundert Ländern. Hinzu kommen Sondereditionen für Großstädte (München, Barcelona), Fußballklubs (FC Bayern München), TV-Serien ("Die Simpsons", "Spongebob") oder eine Neuauflage zur Euro-Einführung.

Allerdings gilt es mittlerweile als erwiesen, dass es vor Darrows Geniestreich ein ähnliches Spiel gab: 1904 ließ sich Elizabeth J. Magie ihr "The Landlord's Game" patentieren, das sie in sozialkritischer Absicht entworfen hatte und das nie professionell produziert wurde. Es bleibt unklar, ob Darrow The Landlord's Game jemals gespielt hat.

Die Beliebtheit von Monopoly kann man an den unzähligen Kuriositäten und Rekorden erkennen. Eine Auswahl: Die längste Partie in einer Badewanne dauerte 99 Stunden und in einem Fahrstuhl feilschte eine Studentengruppe 16 Tage um die vier Bahnhöfe. Sogar im Weltraum wurde gezockt: 1995 hatte ein Spaceshuttle ein im Auftrag der Nasa gefertigtes Set mit Karten aus unbrennbarem Papier an Bord - es steht heute in einem Museum in Washington. Die längste Partie ohne Unterbrechung dauerte stolze 59 Tage.

In den achtziger Jahren trällerte Klaus Lage voller Überzeugung: "Monopoly, Monopoly/ Wir sind nur Randfigur'n in einem schlechten Spiel/ Monopoly, Monopoly/ Und die in der Schlossallee verlangen viel zu viel." Der Text stammt übrigens von Diether Dehm, der momentan für die Linken im Bundestag sitzt. Zu den Monopoly-Fans gehören auch Schauspieler wie Johnny Depp - angeblich plant Hersteller Hasbro, der Parker übernommen hat, eine Verfilmung seines berühmten Produkts mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle. Als Regisseur ist Ridley Scott vorgesehen.

1935 kam Monopoly in Großbritannien auf den Markt. Eine Sekretärin ersetzte die fremden Straßennamen durch bekannte Londoner Adressen und machte aus den Dollars Pfund. Für die deutsche Ausgabe wählte man Berliner Straßen - die teuerste Straße hieß "Schwanenwerder". Auf dieser Insel im Großen Wannsee wohnten unter anderem Albert Speer und Propagandaminister Joseph Goebbels. 1936 wurde Monopoly wegen seines "jüdisch-spekulativen Charakters" verboten - vielleicht sollte auch der Eindruck vermieden werden, Goebbels wohne in der nobelsten Straße der Hauptstadt.

Wegen dieses Verbots und der Teilung Berlins war Deutschland lange das einzige Land, in dem Monopoly nicht in der Hauptstadt oder einer anderen Großstadt spielt. Turmstraßen oder Münchner Straßen gibt es überall, doch verglichen mit den Konkurrenzadressen wirkt die Schlossallee bescheiden: In Frankreich giert jeder nach der Pariser Rue de la Paix, die Spanier fürchten den Paso del Prado in Madrid sowie die Russen den Arbat in Moskau. In der Sowjetunion war das Spiel bis 1988 verboten und auch Fidel Castro ließ nach seiner Machtübernahme 1959 alle Spiele in Kuba konfiszieren.

Doch warum ist das kapitalistischste aller Spiele so erfolgreich? Es kann endlos dauern und für Aufregung und böses Blut sorgen. Die amerikanische Psychologin Joyce Brothers hat eine Erklärung für die Attraktivität des Spiels gefunden: "Es erfordert so viel Geschicklichkeit, dass sich der Sieger schmeicheln darf, der beste Spieler zu sein, und hängt doch es so weit vom Glück ab, dass der Verlierer sein Pech auf die Würfel schieben kann."

Ähnlich denkt Klaus Armbrüster aus Worms. Der ehemalige deutsche Meister verlässt sich nicht nur auf die Würfel, sondern verfolgt eine spezielle Strategie, wie er vor Jahren verriet: "Ich kaufe immer die hellblauen Straßen, etwa die Poststraße und die braunen Felder wie die Berliner Straße." Dies sei eine Frage der Wahrscheinlichkeit: Die Spielfiguren landen häufig im Gefängnis und auf dem Los-Feld - beim Verlassen dieser Punkte sei es anzunehmen, dass sie auf diesen Straßenzügen landen. Allerdings sollte man sich nicht zu sehr auf Taktik verlassen: Bei Monopoly habe man nur eine Siegchance, wenn man nach dem Prinzip "Alles oder Nichts" spiele, so Armbrüster. Der aktuelle deutsche Meister ist Hans-Georg Schellinger aus Reutlingen landete bei der letzten Weltmeisterschaft auf dem achten Platz.

Ein großer Fan von Monopoly war der ehemalige britische Premierminister Edward Heath: Er empfahl Michail Gorbatschow in den achtziger Jahren, mit Hilfe des Spiels den Kapitalismus zu üben. Zum Erfolg benötigt man laut Heath drei Dinge: "Die Verhandlungskunst von Marco Polo, das Durchsetzungsvermögen von Machiavelli und das Glück des Teufels."

© sueddeutsche.de/jüsc
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