Raumfahrtforschung:Gewächshäuser auf dem Mond?

Raumfahrtforschung: Fotos: Nasa, Imago; Collage: SZ

Fotos: Nasa, Imago; Collage: SZ

Japanische Wissenschaftler entwickeln Ideen zur Nahrungsmittelproduktion auf dem Mond. Sie soll dort schon bald Langzeitaufenthalte möglich machen.

Von Thomas Hahn, Tokio

In der Pandemie war man manchmal schon froh, wenn man die Verwandtschaft um die Ecke besuchen durfte. Und immer noch kann sich das Fernweh vieler Menschen wegen zu hoher Infektionszahlen nicht so frei entfalten, wie es beliebt, zum Beispiel wenn dieses Fernweh auf die Balearen oder den fernen Osten abzielt. An eine Reise zum Mond zu denken, erscheint da erst recht abwegig. Oder nicht?

Eine Reisewarnung wegen Coronavirus-Gefahr liegt jedenfalls nicht vor. Die internationale Raumfahrtforschung und ihre Geldgeber wirken unbeeindruckt von der globalen Gesundheitskrise. Sie arbeiten entschlossen daran, Langzeitaufenthalte auf dem Mond schon in wenigen Jahren möglich zu machen. Ein neues Weltall-Business soll entstehen. Auch Japan ist beteiligt und denkt dabei jetzt an ein Thema, bei dem das Land hohes Ansehen genießt: ans Essen.

Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, dass Japans Regierung und deren Raumfahrt-Agentur sich mit verschiedenen Lebensmittel- und Technologie-Firmen zusammengetan haben, um die Nahrungsmittelproduktion auf dem Mond zu erforschen. Das ist eine gute Nachricht, und zwar nicht nur, weil man in Japan besonders viel von gutem Essen versteht. Sondern auch deshalb, weil Wissenschaftler und Investoren wenig über das leibliche Wohl sprechen, wenn sie voller Begeisterung ihre Visionen vom Verweilen auf dem Mond ausbreiten.

Projekt mit konkreter Zukunft

Der Ehrgeiz der Raumfahrtbranche ist in den vergangenen Jahren neu erwacht. Man hat fast den Eindruck, als wolle sie etwas aufholen, nachdem gerade der Mond lange kein wichtiges Ziel mehr zu sein schien. Zwölf Menschen waren erst dort, alle waren Astronauten der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Eugene Cernan von der Mission Apollo 17 war der letzte, am 14. Dezember 1972. Und erst jetzt, fast 50 Jahre später, nehmen Projekte zu Mond-Tourismus und Langzeitaufenthalten Fahrt auf. Warum diese neue Mondsucht? "Zur wissenschaftlichen Forschung, aus wirtschaftlichen Gründen und um eine neue Generation von Forschern zu inspirieren", erklärt die Nasa auf der Webseite ihres Raumfahrtprogramms Artemis. Man meint es ernst.

Essen auf dem Mond ist deshalb ein Projekt mit konkreter Zukunft. Denn nur mit Astronautenkost wird die neue Forschergeneration nicht die Mondstationen der Zukunft bewohnen wollen. Genau hier setzt das japanische Forschungsprojekt an. Es geht um Nahrungsmittelversorgung für große Crews, die lange auf dem Mond bleiben.

Der Mond ist rund 384 000 Kilometer von der Erde entfernt, das macht Lebensmittellieferungen unpraktisch. In Gewächshäusern soll deswegen auf dem Mond Getreide oder Gemüse angebaut werden. Das Projekt klingt anspruchsvoll, denn auf dem Mond gibt es kein Wasser, keine richtige Atmosphäre, dafür Temperaturunterschiede zwischen 130 Grad Celsius plus und 160 Grad Celsius minus. Das Forscherteam plant angeblich Versuche in der Antarktis, weil die Bedingungen dort denen auf dem Mond ähnlich seien - dabei sind sie das natürlich eigentlich nicht.

Immerhin, das Projekt soll auch Erkenntnisse darüber liefern, wie man Lebensmittel anbaut, wenn die Bedingungen wegen des Klimawandels auf der Erde schlechter werden. Das könnte hilfreicher sein. Bis die Menschheit auf den Mond umzieht, dauert es nämlich doch noch eine Weile.

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